Fiktionale Forschungsreisen

Im Moment ist es ziemlich ruhig – hier und an der Schreibfront. Der November ist vorbeigerast, ich habe definitiv zu wenig geschrieben in den letzten Wochen. Aber das, was ich geschrieben habe, werte Leser, ist explizit für euch. Ja, genau, für euch – ihr, die ihr hier auf diesem Blögchen vorbeischaut. In ein paar Tagen erfahrt ihr mehr 🙂

Bis dahin … bleibt unter allem, was zu tun ist, unter allem, über das man den Kopf schüttelt, der leise Rausch einer neuen Geschichte, die sich zusammenbraut. Eine fiktionale Forschungsreise. Zurzeit lerne ich Figuren kennen, erforsche eine Welt, die etwa vor drei Monaten ganz vorsichtig die Pforten für mich geöffnet hat, wie ein Pflänzchen, das der Welt eher zaghaft und skeptisch entgegenblinzelt, jederzeit bereit, die Schotten wieder dicht zu machen. Aber dann, vor anderthalb Wochen, bam, knallt sie mir Information um Information vor die Füße, wirft mir Bröckchen hin, Daten, Namen. Ich hebe jede Scherbe auf, betaste und beschnuppere jedes Teilchen und versuche alles zu ordnen. Keine Ahnung, wie groß dieses Puzzle wird. Die Teilchen riechen interessant. Unbekannt. Ein Genre, in dem ich mich bisher noch nicht so richtig ausgetobt habe, Figuren, die mir in den letzten Jahren schemenhaft über den Weg gelaufen sind, sich aber immer verschleiert haben, als wollten sie noch nicht zu viel von sich preisgeben. Schemenhaft ist genau das richtige Schlagwort.

Und Rausch das andere. Ich sage es immer wieder: Schreiben fühlt sich an wie atmen. Und wenn für das richtige Schreiben keine Zeit bleibt – für die Poesie von Welten, für die Welten, die einzelne Sätze und Klänge und Worte bauen können – dann muss eben das Stichwort-Schreiben herhalten, das Plotten, das Welten-Entdecken, das Figuren-Kennenlernen. Und plötzlich fühlt man sich ein Stückweit lebendiger als man es Monate zuvor getan hat. Weil etwas Neues entsteht. Weil man ahnungslos durch diese Welt stolpert. Im Moment sind die roten Fäden ein spärliches Gut, es gibt noch keinen gemeinsamen Nenner, nur ein unterschwelliges Kribbeln, das dir sagt, welche Dinge tatsächlich zusammengehören, wenn auch das Ausmaß noch unbekannt ist.

Es fühlt sich anders an als bei Kurzgeschichten. Bei Kurzgeschichten ist das Welten-Erforschen begrenzter, kompakter, es sei denn, die Geschichte gehört ohnehin in ein größeres Netz. Bei „Blutgold“ hatte ich ein ähnliches Erlebnis – nämlich genau da, als Moira Reporterin wurde und ihren ursprünglichen Ermittlerjob an den Nagel gehängt hat. Da haben sich dann auch ganz plötzlich Puzzleteile verschoben; durch eine einzige Änderung habe ich auch über Moiras New York, über ihre Zeitung, über die Leute, die sie trifft, ganz plötzlich sehr viel mehr gelernt. Aber auf einer kleineren Fläche.

Als ich das letzte Mal mit solchem Herzklopfen, solcher Aufregung und solcher Freude eine Welt dieser Größe erforscht habe, die einfach kein Ende nahm, an der es immer neue Ecken, Winkel, Farben und Formen zu entdecken gab, wurde mein Bernsteinflammen-Romanbaby geboren, an dem ich schon ein paar Jährchen arbeite. Auch damals sind plötzlich Puzzleteile zusammengefallen, die ich jahrelang im Kopf hatte. Plötzlich gab es ein grobes Muster. Auch damals kamen plötzlich Figuren zusammen, und in den neuen Konstellationen hat plötzlich alles Sinn ergeben, die neuen Konstellationen haben neue Türen geöffnet, jahrealte Fäden haben sich wie von allein weitergesponnen – und irgendwann, irgendwann tauchte dann der fette rote Faden auf, der alles zusammengeknüpft hat.

Ich bin gespannt, ob ich so ein Erlebnis auch auf dieser aktuellen Forschungsreise haben werde. Natürlich kann man sich auch zu früh freuen. Es steht wirklich in den Sternen, was aus diesen Ideenfetzen wird. Vielleicht nichts, vielleicht eine Kurzgeschichtenreihe, Novellen, vielleicht auch ein Monsterprojekt, das der Bernsteinflamme folgen kann, wenn sie endlich beendet ist.

Keine Ahnung, wo diese Reise hingeht. Jedenfalls bin ich gespannt!

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