24. Dezember

13-24

Saccharinus Leibnitz verbrachte den Heiligabend mit Grummeln. „Die Aetherethikkommission ist uns auf den Fersen, und wir haben nichts zu unserer Verteidigung vorzuweisen, weil dieser verdammte Keks verschwunden ist!“
„Jetzt hören Sie endlich auf zu meckern, das ist ja nicht auszuhalten!“ Clea, die sich keine Mühe mehr gab, ihr dämonisches Aussehen zu verbergen, knallte ihren gezinkten Schwanz auf den Holzboden.
„Nicht streiten!“, beschwerte sich Agatha, der lebendige Backapparat.
„Richtige Familien streiten sich nun einmal an Weihnachten!“ Finster stopfte Leibnitz seinen Mund mit Spritzgebäck.
Agatha reagierte mit einem äußerst miesepetrigen Klappern ihrer Ofenluke. „Stimmt doch gar nicht!“
„Unfug“, pflichtete Clea ihr mit einem Mund voller Kekse bei. „Richtige Familien fliehen auch nicht an Weihnachten vor den Gesetzeshütern. Herr Leibnitz ist bloß ein undankbares Stück, weiter nichts.“ Als Agatha demonstrativ stinkigen Qualm absonderte, fügte sie hinzu: „Aber nett von Ihnen, Leibnitz, dass Sie uns als Familie ansehen.“
Leibnitz grummelte weiter.
„Jetzt seien Sie doch wenigstens ein bisschen fröhlich! Agatha zuliebe!“ Clea tätschelte den Backapparat. „Wir verbringen Weihnachten in einem ausgedienten Zeppelin, das ist nun wirklich nicht das Schlechteste! Das ist … wie sagen die Amerikaner? Das ist cool!“
Agatha quietschte mit der Ofenluke. So lange, bis Leibnitz mit den Zähnen knirschte.
„Würdest du wohl bitte aufhören?“
„Ich singe!“, fauchte der Backapparat.
„Ja, tut sie“, stimmte Clea zu, als sie das Lied erkannte.
Leibnitz vergrub das Gesicht in den Händen, als Clea, begleitet von Agathas fürchterlichen Quietschen, zu grölen begann.

„Sti-hill-e Nacht, heilige Nacht
alles schläft, Keks erwacht,
durch Alchemie zum Leben gebracht,
Spekulatius in all seiner Pracht.
Sag, wo isser denn hiiii-iiiin?
Sa-hag, wo iiiisser denn hiiiiin?“


­24. Dezember 1878, Wien.

„Was treiben Sie denn hier?“
„Waren wir nicht schon beim Du, Sisi?“ Erzsébet schmunzelte, während sie ihre kleine Tasche auf dem Frisiertisch ablegte. Sie nahm sich Zeit, Elisabeth zu betrachten. Himmel, die Kaiserin strahlte selbst dann noch vor Schönheit, wenn sie unfrisiert und in ihrer Nachtrobe von einem Stuhl aufsprang. Auch mit über vierzig ließ ihr dickes, geschmeidiges Haar die jungen Hofdamen vor Neid erblassen, die ebenmäßige Haut schimmerte rosig. Allerdings war sie immer noch zu dünn und ein Schatten lag in ihren Augen. Keine Schönheitsregime der Welt konnte die Traurigkeit aus ihren Augen vertreiben.

„Keine Angst, ich bin gleich wieder fort, und dann lasse ich dich für immer in Ruhe, wenn du willst.“ Erzsébet streckte die kühle Hand nach der Kaiserin aus. Zu ihrer Überraschung ließ Elisabeth es zu, dass sie ihr eine verirrte Strähne aus der Stirn strich. Andererseits war ihr Haar natürlich das einzige, das Erzsébet je hatte anrühren dürfen. Aber die Wange, die ihre Fingerspitzen streiften, fühlte sich so zart an, so warm … „Ich wollte dir nur eine Kleinigkeit vorbeibringen.“

„Was?“ Irritiert blinzelte Elisabeth. Sie ruckte mit dem Kopf, schüttelte Erzsébets Finger regelrecht ab, und trat einen Schritt zurück.
„Oh, schau nicht so entsetzt.“ Belustigt langte Erzsébet nach ihrer Tasche und zog ein kleines Päckchen heraus. Als sie es in Elisabeths Hände legte, regte sich das Päckchen.
„Ich hoffe, Sie haben keine Mäuse mitgebracht“, meinte Elisabeth trocken. Dennoch schimmerte es belustigt in ihren Augen. Würde ihre werte Schwiegermama noch leben, mutmaßte Erzsébet, dann hätte die Kaiserin sicher die eine oder andere Verwendungsmöglichkeit für kleine Nagetiere.
„Mach es ruhig auf. Aber vorsichtig.“
Elisabeth schenkte ihr einen skeptischen Blick, doch dann zupfte sie behutsam an dem braunen Packpapier. Als sie die Lagen auseinanderzog, reckte sich ihr ein kleiner Kopf aus Mürbeteig entgegen.

„Hallo. Spekulatio von Lebkuch mein Name. Wagen Sie es ja nicht, mich zu essen! Ich habe einen Schokolaus sterben sehen, mich in eine Printe verliebt, einen Zimtstern vorm Ertrinken gerettet und eine Zeitreise von dreißig Jahren in die Vergangenheit gemacht, damit dieser dämliche Leibnitz-Idiot mich nicht mehr in die Finger bekommt. Kurz: Wenn Sie beißen, beiß ich zurück!“

Elisabeth blinzelte ganze dreimal. Erzsébet hörte ihre Wimpern aufeinanderschlagen. Dann sagte die Kaiserin: „Ich glaube, ich esse wirklich zu wenig. Ich halluziniere. Ein Vampir schenkt mir einen Keksmann zu Weihnachten.“

„Sei lieb zu ihm. Ihr kämpft beide mit sehr merkwürdigen Mitteln um euer Überleben, ich dachte, ihr kommt vielleicht gut miteinander aus.“ Erzsébet grinste. Sie hatte ja selbst ihren Augen nicht getraut, als der Keksmann auf ihr Fensterbrett geklettert war, um lauthals zu verkünden, er habe sie im Jahre 1913 auf einem Weihnachtsmarkt in München gesehen, und weil sie seine Brüderchen gefressen hätte, müsse sie ihm jetzt verdammt noch mal helfen. Sie zwinkerte Elisabeth zu. „Bei dir kann ich mir wenigstens sicher sein, dass du ihn nicht auffrisst. Er ist extrem fettig.“

Elisabeth erwiderte ihren Blick ungläubig. Und dann lachte die Kaiserin aus vollem Halse. Ein schöner, seltener Laut, fand Erzsébet. „Sie haben den Verstand verloren, Fräulein Báthory. Da ist die Sache mit dem Blut ja harmlos!“

„Oh, du hast ja keine Ahnung, meine Liebe.“ Mit einem milden Lächeln nahm Erzsébet ihre Tasche an sich. Sie musste hier raus. Elisabeth roch zu gut. Ihre Halsschlagader pulsierte einladend unter dem dichten Haar, das zur Berührung einlud, und den Schmerz der unausweichlichen Abfuhr konnte sie sich heute Abend sparen. „Übrigens“, raunte sie, „das ist kein Weihnachtsgeschenk. Alles Gute zum Geburtstag, Sisi.“ Sie hauchte Elisabeth einen Kuss auf die Wange. Und während die Kaiserin noch perplex den Mund öffnete, eilte Erzsébet Báthory aus dem Raum.

„Reizend“, schnarrte Spekulatio von Lebkuch. Während Elisabeth ein wenig benebelt auf die offene Tür starrte, richtete sich der Keksmann häuslich in der rechten Schublade des kaiserlichen Frisiertischs ein. „Oh, schick hier drinnen! Jetzt bin ich adlig! Nennen Sie mich Spekulatio von und zu Lebkuch, Majestät!“


24. Dezember 1942, New York City.

„Wer hatte eigentlich die Schnapsidee, unsere Weihnachtsfeier auf Heiligabend zu legen?“, brummte Frances Goldenblatt, während sie sich am Büffet bediente. „Wir haben heute doch genug zu tun! Meine Schwiegereltern kommen morgen Mittag, ich muss noch den Truthahn füllen! Ist ja nicht so, dass ich schon wegen Hanukkah mehr Zeit in der Küche als in der Redaktion verbracht habe!“

„Tja, solche Probleme hat unser lieber Herr Chefredakteur nicht.“ Moira Bran nickte Charles Sweeney zu, der ungerührt Artikel für die Weihnachtsausgabe der Paranormal Gazette gegenlas und dann und wann seine Reporter mit den Korrekturen terrorisierte.

„Sklaventreiber!“ Frances drückte Moira ihren Teller in die Hand und ergriff die Herrschaft über den Plattenspieler, der die Redaktionsräume der Gazette bisher nur mit dezenter Jazzmusik beschallt hatte. Unter Frances‘ Hand hallte die Musik nun jedoch so laut von den Wänden wider, dass Sweeney vor Schreck die Entwürfe vom Schreibtisch fegte. Fluchend hechtete er hinterher, doch Frances packte ihn am Kragen. „Nein! Das ist eine Feier, Charlie, tanzen Sie gefälligst!“

Moira und drei weitere Reporter reckten Frances die aufgestellten Daumen entgegen. Ihre Kollegen schoben die Schreibtische an die Wände, damit sie Platz zum Tanzen hatten; Moira dagegen ließ sich mit einem Glas Scotch und einer Zigarette auf einem Stuhl nieder.

„Nein, nein, so geht das nicht.“ Sweeney rupfte ihr das Scotchglas aus den Händen und zog sie wieder auf die Füße. „Sie müssen auch ran!“
„Sie wollten doch nach der Blamage in diesem Leprechaun-Pub letztes Jahr nie wieder mit mir tanzen?“ Moira klemmte sich die Zigarette in den Mundwinkel, während Sweeney den Arm um ihre Taille schlang. „Ich hatte mich schon gefreut …“
„Wenn ich mit Ihnen tanzen muss, damit Sie endlich Ihren Artikel für die Weihnachtsausgabe rausrücken, sei’s drum.“ Er tappte ihr auf den Fuß. Verdammt, Sie hatte sich wirklich gefreut.
„Charlie, Sie haben drei meiner Texte für die blöde Weihnachtsausgabe abgelehnt, ich schreibe Ihnen keinen vierten.“ Moira blies ihm den Zigarettenqualm ins Gesicht. „Nehmen Sie halt die Story über die Vollmondplätze für Werwölfe im Central Park.“
„Die Werwolfstory ist für die erste Januarwoche geplant“, hustete Sweeney. „Die hat nichts mit Weihnachten zu tun-“
„Dann eben einen von den abgelehnten!“
Trocken verzog Sweeney den Mund. „Den über die Bestattungsunternehmer, den über die hohe Selbstmordrate bei Vampiren über die Feiertage oder den über die Angststörungen bei Dryaden?“
„Sind alles interessante Themen!“
„So etwas will niemand über Weihnachten lesen!“ Sweeney wackelte mit den Augenbrauen. „Ich muss Sie wohl nicht daran erinnern, dass sich die Weihnachtsausgabe immer ausgesprochen gut verkauft? Wir sind schließlich die einzige paranormale Zeitung, die über Weihnachten druckt.“
Moira grinste. „Netter Versuch, Charlie.“

„Hört ihr wohl auf, über die Arbeit zu reden?!“ Frances erschien hinter ihnen. „Es schlägt gerade Mitternacht, damit ist offiziell Feiertag!“
Die Redaktion brach in Pfeifen, Gejubel und „Frohe Ferien!“-Rufe aus. Jake Marlow aus dem Feuilleton warf Greystones Zauberhaften Zauberschnee durch den Raum (nach neuer Rezeptur, garantiert gesundheitlich unbedenklich).
„Wann bist du eigentlich zum Weihnachtsengel mutiert, Frannie?“ Endlich stellte Sweeney das Tanzen ein. Moiras Füße dankten es ihm.
„Ungefähr, als ihr beiden euch zu unerträglichen Workaholics entwickelt habt.“ Frances reckte den Arm in die Höhe.
„Och nö. Leute, wirklich, nö.“ Moira wickelte sich aus Sweeneys Armen. Das war doch albern. Wo zur Hölle war ihr Scotch?
„Hiergeblieben.“ Frances packte sie am Kragen. Die andere Hand hing noch immer in der Luft, fest in einen Mistelzweig verkrallt. „Woanders nennen sie es Romantik, in dieser Redaktion nennen wir es Streitschlichtung. Jetzt gebt euch einen Kuss und genießt endlich die verdammte Weihnachtsfeier.“ Sie wedelte mit dem Mistelzweig.
Sweeney legte den Kopf schief. „Wenn ich Sie nicht küsse, geben Sie mir dann den Artikel?“
Zur Antwort stellte Moira sich bloß schmunzelnd auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen verräucherten Kuss auf die Lippen. „Sie haben doch schon drei“, raunte sie, als Charlie sie perplex anblinzelte. „Hören Sie auf Goldenblatt und genießen Sie die verdammte Weihnachtsfeier. Wir haben hier schließlich nicht zum Spaß dekoriert.“


Einundzwanzigstes Jahrhundert, ganz am Anfang. Heiligabend.

Der Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, schloss gedankenverloren seine Wohnungstür auf. Der Glühwein mit Nick war nett gewesen, trotz der gnadenlos überfüllten Straßen, trotz der abgehetzten Menschen, die im allerletzten Augenblick ihre Einkäufe erledigten, trotz Nicks ständigem Gemecker über die allgegenwärtige Weihnachtsdekoration (mit der man auf dem Weihnachtsmarkt aber nun wirklich rechnen musste!). Dem Mann namens Alex hatten die Sterne und Miniengel und Fluffbäumchen gefallen. Und die Gerüche. Vor allem die Gerüche. Nur ganz heimlich, natürlich, auch wenn er ebenfalls auf das Gerenne und Gedränge hätte verzichten können. Weihnachten war ja gar nicht sein Fest, mit dem religiösen und kulturellen Hintergrund hatte er nichts am Hut, und sie hatten ja auch schon zwei Tage zuvor die Wintersonnenwende zünftig bei den Leuten gefeiert, die sich zurzeit Tanya und Jonathan nannten. Aber trotzdem mochte er auf irrsinnige, unsinnige Weise, was die Menschen da so trieben. Wenn man die Konsumschlacht außen vor ließ. Summend warf er die Tür ins Schloss und verzichtete darauf, auf den Lichtschalter zu drücken. Er würde seinen Baum anknipsen. Oder im Dunkeln sitzen und darüber philosophieren, dass das einundzwanzigste Jahrhundert einen schlechten Einfluss auf ihn —

Ohne sein Zutun sprang der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer an. Erschrocken erstarrte der Mann, der sich heutzutage Alex nannte, im Flur. Was zum… Erst jetzt fiel es ihm auf. Irgendetwas stimmte nicht in seiner Wohnung. In seiner Grübelei hatte er es gar nicht bemerkt, aber jetzt spürte er ganz deutlich, dass er nicht allein war.

„Nicht schon wieder Einbrecher“, grummelte er und öffnete lautlos den Dielenschrank. Man benutzte die Dinger ja heutzutage nicht mehr, aber es war immer gut, eine Armbrust im Haus zu haben! Im Wohnzimmer rumpelte es.

„Wer auch immer da rumort“, rief er durch den Flur, „ich bin bewaffnet und – Aua!“

Etwas Hartes traf ihn am Kopf und kullerte zu Boden. Stirnrunzelnd bückte sich der Mann namens Alex danach. „Hä?“ Mit seinem Fund in der linken und der Armbrust in der rechten Hand schlich er dem Wohnzimmer entgegen. Wer auch immer gerade rumort hatte, hatte sich schleunigst wieder verzogen, stellte er fest. Der Raum war leer. Alles sah aus, wie er es zurückgelassen hatte. Nun ja, alles, bis auf…

„Das ist nicht mein Baum.“ Seiner war aus Plastik. Der hier war echt und verströmte einen herrlichen Tannengeruch … und trug zusätzlich zu den roten Glaskugeln merkwürdige Ornamente aus … Teig?

„Führst du eigentlich immer Selbstgespräche, wenn du alleine zu Hause bist?“, wisperte eine Stimme, so dicht an seinem Ohr, dass der Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, einen halben Meter in die Luft sprang.
„Scheiße, Nick, du sollst mich nicht so erschrecken, wenn ich Waffen in der Hand habe!“ Er warf den Zimtstern, den er im Flur aufgelesen hatte, nur um sein wild klopfendes Herz zu beruhigen. Verdammt, verdammt, verdammt!
Der Mann, der sich dieser Tage Nick nannte, pflückte den Keks aus seinem dichten, dunklen Haar. „Du bist doch sowieso zu langsam, um ernsthaften Schaden anzurichten, du Zwerg.“
Der Mann namens Alex verzog das Gesicht. Für gewöhnlich trieb ihn die liebreizende Arroganz seines Kumpels auch nach fünftausend Jahren noch zur Weißglut, aber jetzt gerade beruhigte sie ihn ungemein. Zumindest in der Hinsicht alles beim Alten.
„Langes Elend! Was machst du überhaupt hier?“ Mit zittrigen Händen strich der Mann namens Alex sich das Straßenköterhaar aus der Stirn und legte die Armbrust aufs Sofa. Entweder er wurde alt oder der letzte Krieg war zu lange her. Er vertrug solche Überfälle nicht mehr gut. Zu viele Traumata in seinen Knochen. „Hast du vorhin was vergessen, oder…?“
Der Mann namens Nick lachte leise. „Eigentlich wollte ich dir frohe Weihnachten wünschen, aber ich glaube, ich muss dich erstmal von deiner langen Leitung runterholen. Ich bräuchte mal Hilfe“, rief er.

Und während er Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, noch „Frohe was?“ stammelte, marschierten ein halbes Dutzend Nachtalben und eine Hexe aus seinem Schlafzimmer, die in Windeseile seinen Esstisch deckten, binnen fünf Sekunden Lametta an den ungehörigsten Winkeln seiner Wohnung verteilten und ihm eine Nikolausmütze überstülpen, die der Mann namens Alex sich rasch wieder vom Kopf riss. Empört drehte er sich zu der Frau namens Tanya um, die ein Bleck voller Zimtsterne auf seiner Anrichte abstellte. „Du hast versprochen, dass du’s nicht weitersagst! Oh, Geister und Sterne, das riecht gut …“
Ungläubig betrachtete er das Essen auf dem Tisch. Vanillekipferl und Mandelsuppe nach Schleierhainer Art, Glühwein und faunsanger Pilzeintopf … Angerichtet in Töpfen mit Sternen und Rentieren. Das war kein Weihnachtsessen. Das war ein modernes Lurlennasessen! Zumindest fühlte es sich an wie vor einigen tausend Jahren in Alawis… und das, obwohl nur eine Hexe unter ihnen weilte!
Aber wie sich besagte Hexe an seiner Fensterbank zu schaffen machte, erblühte eine ganze Reihe Sternenblumen vor der Scheibe – wie dereinst im alten Alawis. Und als sie ein Räucherhölzchen entzündete, breitete sich ein warmer, balsamischer Gesuch in der Wohnung aus, den der Mann namens Alex heutzutage nur noch furchtbar selten erschnupperte.
„Belrohil?“, fragte er gerührt.
„Ich hoffe, du weißt das zu schätzen“, sagte die Hexe, die sich auch heute noch meist Merra nannte. „Und bereite dich schon mal mental darauf vor, dass wir im April für Nick Ostereier verstecken müssen.“
Die Frau namens Tanya klatschte mit einem schiefen Grinsen in die Hände. „So, Leute, singen! Last Christmas?“
Ein halbes Dutzend Nachtalben stöhnten auf.
„Bei aller Liebe“, murmelte der Mann namens Jonathan, „bei aller Liebe, aber das geht zu weit!“
Die Frau namens Tanya zuckte mit den Schultern und schaltete Alex‘ CD-Spieler ein. Kurz darauf drangen düstere E-Gitarren-Klänge durch das Gelächter in der Wohnung.

„Und wir tanzten im Schnee vergangnes Jahr
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar…“

 

© Isabel Schwaak

Danke an alle, die bis hier hin durchgehalten haben! Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig mit den Geschichtchen erfreuen und wünsche euch erholsame und schöne Feiertage!

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2 Gedanken zu “24. Dezember

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