Musik und Schreiben

Angesichts der Todesnachricht von David Bowie heute mal ein paar Gedanken zum Thema Musik und Schreiben.

Stephen King ist der Meister der Verflechtung von Musik und Literatur. Er wirft in Texten mit Zitaten um sich und kreiert dabei ein ganz besonderes Gefühl. Oder er stellt der Geschichte Songtexte voran. Ich werde wohl nie die freudige Überraschung vergessen, als ich mit 16 das erste Mal The Stand las und bemerkte, dass noch vor dem ersten Kapitel ein Auszug aus „Don’t Fear the Reaper“ stand. Wundervoller Song, der die Atmosphäre einfach 1a einfängt (vermutlich haben sie es auch deshalb bei der ersten Verfilmung für die Opening Credits benutzt).

Aber musikalische Einflüsse sind nicht nur beim Lesen etwas Tolles. Ich habe schon von vielen Autoren gelesen, dass sie unbedingt Musik beim Schreiben brauchen. Dass sie bestimmte Lieder für ihre Szenen haben und diese Lieder immer wieder spielen, während sie die Szenen schreiben.

Ich persönlich kann das ehrlich gesagt nur ganz selten. In der Regel lenkt mich Musik beim Schreiben zu sehr ab, da brauche ich Ruhe, um die richtigen Worte zu finden, oder nicht gedanklich innerhalb der Melodien oder Songtexte immer wieder abzudriften.

Trotzdem ist Musik eine der wichtigsten Faktoren beim Schreiben. Klingt komisch, ist aber so 🙂

Ich fertige Szenen oft schon mental vor, sodass ich sie später „nur“ noch aufschreiben und dann handwerklich daran herumschrauben muss (im Idealfall – oft genug läuft es natürlich ganz anders). Und wo findet das Ganze statt? In der Regel im Wald. Auf meiner Laufstrecke. „Der König muss tanzen“, „Die andere Seite des Feuers“, „Nur eine Kräuterfrau“, die erste Hälfte von „Blutgold“ und etwa ¾ meines Romanprojekts sind während meiner Laufausflüge im Wald entstanden, bei entsprechender Musik.

Konsequenterweise stürze ich dann oft, wenn ich aus dem Wald komme, nass geschwitzt an die Tastatur und beginne wie wild zu tippen, um das, was sich während des Laufs angestaut hat, möglichst schnell zu Papier zu bringen, bevor die berühmt-berüchtigten Dusch-Gedanken alles vertreiben. Falls die Dusche wider Erwarten doch etwas zu den geistigen Ergüssen beiträgt, umso besser. Beim Niedertippen ist der Mp3-Player dann aber tatsächlich meist auch schon wieder aus, obwohl er vorher die Kreativität befeuert hat. Konzentration und so.

Die Musik verströmt entweder ein ganz besonderes Feeling, das die Szene unterstützt oder einfängt. Manchmal ordnet ein Lied das Chaos in meinem Kopf und verwandelt es entlang von Melodieläufen zu einer Szene. Manchmal bringen auch Songtexte erst ganze Stränge ins Rollen, obwohl der eigentliche Text dann letztlich nichts mehr mit der Geschichte zu tun hat, die dabei herauskommt. Manche Lieder stehen für eine Figur (das passiert irgendwie besonders oft bei klassischer Musik). Und dann gibt es Lieder, die stellvertretend für ein ganzes Buch oder einen ganzen Geschichtenabschnitt stehen. Die vier Unterbücher meines Romanprojekts klingen in meinem Kopf wie Queen, die Rolling Stones und ja, auch David Bowie. Zumindest stand „Heroes“ sehr lange Zeit vor dem dritten Unterbuch, bis es durch „Under Pressure“ ersetzt wurde (das ja die göttliche Verbindung aus Queen und Bowie ist).

Ich bin überzeugt davon, dass Texte im Laufe ihrer Entstehung ihre eigene Melodie entwickeln. Sie haben ihre eigene Tonart, manche in Dur, manche in Moll, die meisten in einer wilden Mischung. Ein gewisser Klang (der, wie ich finde, dazu beiträgt, wenn jemand sagt, dass ein Buch nach und nach düsterer wird), Tempo, Rhythmus. Und es fasziniert mich ungemein, wie oft solche „literarischen Klänge“ aus Musik geboren werden.

In diesem Sinne… Thank you for the music, David. Rest in peace.

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Ein Gedanke zu “Musik und Schreiben

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