Was ‚darf‘ auf einen Autorenblog?

Ich blogge, seit ich 16 bin. Trotzdem fällt es mir gelegentlich schwer, einen Autorenblog zu führen.
Buchblogger schreiben Rezensionen. Vegan-Blogs posten Rezepte oder wie einem die Ernährungsumstellung leichter fällt. DIY-Blogs schreiben Tips und Anleitungen.

Und worüber zur Hölle bloggt man als Autor?Das, was man eigentlich schreibt – Geschichten und Bücher – soll ja in der Regel bei Verlagen landen, nicht im Internet (also, mal abgesehen von Sachen, die man extra für den Blog verfasst, wie z.B. Adventskalendergeschichten). Viele Autoren geben Schreibtipps oder rezensieren. Ich für meinen Teil fühle mich 1) nur selten kompetent genug für Schreibtipps und 2) rezensiere vielleicht alle Jubeljahre mal etwas. Den Schreibprozess zu einem Romanprojekt, das vermutlich erst in fernerer Zukunft auf den Weg zu Verlagen machen wird, mag ich hier nicht dokumentieren, und wenn ich nur schreibe, wenn eine Veröffentlichung ansteht, wehen hier die Tumbleweeds durch den virtuellen Raum.

Worüber also bloggen?

In den ersten paar Monaten war es hier sehr still, weil ich einfach nicht wusste, was ich denn nun schreiben sollte – auf einem Autorenblog. Auf dem Privatblog gab es das Problem nie. Ich habe einfach über alles geschrieben, was mich interessiert, und wenn ich nichts zu sagen hatte, habe ich halt nichts geschrieben, fertig. Aber die „Sichtbarkeits-Social-Media-Sachen“ wollen ja regelmäßig gefüttert werden, und Profis empfehlen, einen thematisch geordneten Blog zu führen. Aber da taumelt der Hase ja gleich ins nächste Pfefferfass: Ich interessiere mich einfach für viel zu viel, um mich auf ein einziges Thema zu beschränken. Aber auf dem Autorenblog über meine spirituellen Ansichten, Ernährung und meine Astrologie-Obsession schreiben, komplett ohne Bezug zum Oberthema, mag ich auch nicht.

Warum überhaupt bloggen?

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Mal abgesehen von der Sichtbarkeit – sich regelmäßig hinzusetzen und zu schreiben, ist eine tolle Sache. Man übt sich. Man argumentiert, formuliert, kommuniziert, im Idealfall spielt man mit Sprache und erfreut seine Leser. Im ganz krassen Idealfall stößt man Diskussionen an und lernt dabei noch ein bisschen mehr. Aber grundsätzlich ist es ein guter Anreiz, zu sagen: „Einmal die Woche schreibe ich einenText von, sagen wir mal, 500 Wörtern, und die sind dann DRAUSSEN, wo jeder sie sehen kann, also sollten sie eine gewisse Mindestqualität haben.“ Vor allem, wenn man so viel um die Ohren hat, dass das literarische Schreiben unter einer akuten Durststrecke leidet, ist es ein nettes Gefühl, wenigstens etwas anderes geschrieben zu haben.

Außerdem hilft Bloggen, sich mit Dingen außeinanderzusetzen, Themen von anderen Blickwinkeln zu betrachten, Wissen zu vertiefen, sich eigener Meinungen und Standpunkten bewusst zu werden und mehr über gewisse Sachen zu lernen. Schreiben dient ja oft auch der Selbstreflektion. Manchmal übt man auch einfach, auf den Punkt zu kommen (schrieb sie in einem langen Laberrhababer-Absatz). Seit ich Zwischenüberschriften benutze, haben meine Blogposts eine andere Struktur. Ein bisschen mehr wie mein Unikrempel – was aber auch dazu führt, dass ich eine Art These habe und mich immer wieder darauf berufen kann, was zum Teufel ich mit dem ganzen Geschreibsel denn überhaupt sagen wollte. Hilft. Ist ein bisschen, als würde man Mini-Mini-Kapitel in einem Buch schreiben.

Mal abgesehen davon macht bloggen Spaß. Das sollte im Vordergrund stehen. Wenn’s keinen Spaß macht, sollte man es lassen – man kann seine Zeit besser füllen, als sich mit etwas herumzuquälen, was man nicht mag. Mit ein Grund, warum ich hier Anfangs nichts geschrieben habe: Es macht einfach keinen Spaß, sich Themen aus den Fingerspitzen zu quetschen, wenn man eigentlich nichts zu sagen hat. Jetzt sieht es glücklicherweise anders aus 🙂

Was ist jetzt also mit dem Autorenblog?

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Ich habe mir Lesen und Schreiben als sehr, sehr weites und grobes Alibi-Themenfeld gesteckt. Wie ihr merkt, versuche ich momentan, einmal die Woche zu bloggen. Meine (doch recht lange) Brainstorming-Session hat einen Haufen Themen ausgespuckt, die – oh Wunder! – tatsächlich doch fast alle mehr oder minder mit dem Lesen und Schreiben zu tun haben. Manchmal nur sehr lose. Manchmal über den Umweg der Mythologie. Es sind sogar Buchempfehlungen dabei. In den kommenden Monaten werde ich einfach mal mit diesem recht beschränkten Themenhaufen herumexperimentieren und schauen, wie ich damit zurechtkomme und wie gut es mir gefällt.

Aber ich weiß, dass immer mal wieder auch politische oder gesundheitliche Dinge auftauchen werden. War bisher immer so. Ich habe hier auch schon über Essstörungen, Journalismus und dergleichen geschrieben, und dann stellt sich stets die Frage: „Hat das überhaupt etwas auf einem Autorenblog verloren? Was darf denn eigentlich alles auf einen Autorenblog?“

Dürfen. Mh. Mein erster Impuls bei sowas ist immer: „Na, alles natürlich – immerhin beeinflusst ja auch so ziemlich alles das Schreiben des Autors. Und vielleicht interessiert es ja tatsächlich irgendwen, was man so über gewisse Sachen denkt.“ Aber dann meldet sich mein verkopfter Steinbock-Merkur (haha, so viel zur Astrologie-Obsession) mit seiner Abneigung gegen die Unordnung, haut auf den Tisch und sagt: „Räum gefälligst dein Zimmer … äh, deine Onlineplattform auf, ist ja ein Saustall hier!“

Und mein Zwillings-Aszendent will Abwechslung und kräht:

Darf ich nicht trotzdem darüber schreiben, wie sich das jeweilige Geburtshoroskop auf meine Figuren auswirkt?
Darf ich nicht trotzdem lange Essays über Feminismus, Ernährung und verkorkste Körperbilder schreiben?
Darf ich mich nicht trotzdem über Politik, Rassismus, Homophobie und meine Misanthropie im Allgemeinen auslassen?
Darf ich nicht trotzdem Schnipsel meiner musikalischen Experimente teilen, wenn ich schon alle 5 Jahre mal den Mut dazu zusammenkratze?

(das Lied gehört übrigens Florence & the Machine, der Singsang mir)

Darf ich nicht trotzdem Rezepte für Mandelmilch und vegane Mousse au Chocolat posten? Oder meiner Langhaarobsession frönen?
Darf ich nicht trotzdem in Erinnerungen an Ereignisse schwelgen, die mich kolossal beeinflusst haben?
Darf ich nicht trotzdem ein paar meiner spirituellen Ansichten erlauben, in der Sonne zu spielen?

Und will ich das überhaupt? Der ordnungsliebende Steinbock-Merkur ist schließlich kein Fremdköprer sondern sitzt in meinem Kopf. Bestimmte Dinge haben meines Erachtens tatsächlich nichts hier verloren. Andere dagegen könnten interessant sein.

Wahrscheinlich kommt es einfach auf die Balance an.

Falls ihr Blogs habt oder gerne welche lest: Mögt ihr klare thematische Strukturen oder ist euch ein bunter Themenstrauß lieber? Wie handhabt ihr denn die Themenfindung? Siebt ihr Themen aus? Und was erwartet ihr auf Blogs?

Ich freue mich wie immer über Meinungen 🙂

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7 Gedanken zu “Was ‚darf‘ auf einen Autorenblog?

  1. Hallo Isabel, was du in deinem Beitrag ansprichst ist ein sehr komplexes Thema. Die Frage ist immer, was du mit deinem Blog erreichen möchtest. Ich persönlich habe da kein Patentrezept, aber bin wie du der Meinung, dass bloggen Spaß machen sollte. Als Autorin denke ich natürlich, dass ein Autorenblog sich wirklich mit dem Schreiben an sich befassen sollte. Das kann alles mögliche sein. Themen, über die du bei deiner Recherche stolperst, Dinge im Autorenalltag, Vorgehen beim Schreiben deiner Texte. Da kommen meiner Erfahrung nach die meisten Reaktionen. Eher weniger Resonanz gibt es bei Rezensionen. Manche Autoren raten vollständig davon ab, weil man als Autor nicht wertfrei andere Bücher kritisieren kann. So, und nun komme ich auf deinen Punkt zurück: Wieso nicht von Sachen schreiben, die dich interessieren. Generell ist das kein Problem, Blogs leben ja davon, persönlich zu sein. Nur allzu chaotisch ist eben auch nicht ideal. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, die Themen zu sortieren?
    Jedenfalls viel Erfolg mit deinem Blog und deinem Romanprojekt.
    Grüße
    Mika

    • Hallo liebe Mika, danke für den ausführlichen Kommentar!
      Ein Patentrezept gibt es wohl nie, das macht es ja aber irgendwo auch so spannend 🙂
      Für meinen eigenen Blog habe ich jetzt erst einmal eine Fahrtrichtung bis Ende des Jahres, mit Themen, an denen ich beim Schreiben und Blogbesucher hoffentlich auch beim Lesen ein bisschen Spaß haben.
      Trotzdem finde ich das mögliche Themenspektrum gerade bei Autorenblogs interessant – oder eher die Begrenzung davon, weil es letztlich doch immer wieder auf das geschriebene Wort und die eigene Person zurückkommt. Im Gegensatz zu rein thematischen Blogs, die eindeutig einen Mehrwert für Leser haben sollen (wie eben Rezeptblogs etc) ist der Autorenblog ja zugleich irgendwie auch Homepage und wandelt auf einem schmalen Grat zum „persönlichen“ Blog (zumindest, wenn man keine Schreibtipps gibt). Umso reizvoller finde ich es allerdings, neue Blickwinkel und Aspekte rund ums Schreiben und Lesen zu finden, damit man nicht einfach bloß wiederkäut, was schon auf hundert anderen Seiten steht. Ich für meinen Teil freue mich immer, wenn Diskussionen oder Gespräche unter den Texten zustande kommen.
      Dir ebenfalls viel Erfolg!
      Lieben Gruß,
      Isa

  2. Mit dem Thema „Autorenblog“ kenne ich mich leider nicht aus. Selbst mische ich ganz dreist alles, was mich interessiert — hoffe aber, dass die inhaltliche Klammer (ich setze alles in Bezug zu meiner Stadt) ein verbindendes Element bringt. Viele sagen auch, dass sie einfach so gerne bei mir lesen und das „was“ fast egal ist. Damit erreicht man dann vielleicht insgesamt weniger Leser, aber die anderen dafür umso intensiver.

  3. Hallo , ich bin grade erst auf deinen Beitrag gestossen. Von meiner Warte aus kann ich nur sagen, daß ich über das schreibe, was mich in diesem Moment am stärksten bewegt. In den meisten Fällen ist das dann etwas aus dem persönlichen Bereich. Dabei ist es mir egal, ob es anderen passt oder nicht. Klingt jetzt sicher arrogant, aber es ist so. Man kann es als Selbstreflexion ansehen.Paralell dazu habe ich mich auf einem Themenblog angemeldet. Ich will wissen, ob ich mich auch zu einem vorgegebenen Thema äußern kann, sozusagen auf Kommando. Das ist aber nicht so mein Ding schätze ich. Die Blogs auf denen ich auch lese, sind ähnlich aufgebaut, wobei ich nicht immer weiß, ob es Absicht ist. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich wünsche dir aber viel Erfolg mit deinem Blog.

  4. Ein wirklich tolles Thema, worüber du hier sprichst, denn ich befinde mich gerade in der gleichen Situation – ich wollte gerne den Weg zu meinem ersten eigenen Roman dokumentieren, zeigen, auf welche Schwierigkeiten man trifft, wie das mit der Verlagssuche so läuft usw… allerdings war die Idee besser, als meine Umsetzung, wie ich finde 😀 und da ich jetzt endlich einen Verlag für mich gefunden habe, möchte ich meinen Blog auch noch einmal neu aufleben lassen und da stellt sich bei mir die gleiche Frage: WIE TUE ICH DAS? WAS DARF ALLES REIN? Schwere Fragen, die ich für mich noch beantworten muss. Aber du bringst es auf den Punkt mit deinem Artikel und ich finde es spannend zu sehen, wie andere mit dieser Hürde umgehen.

    Mir ist es wichtig, dass die Leute, die meinen Blog lesen, vielleicht etwas lernen können. Informationen bekommen, die ich auch gerne bei der Verlagssuche und so weiter gehabt hätte. Mal schauen, was draus wird. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute hier auf deinem Blog :))) Und einen guten Rutsch natürlich 🙂

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