Buchempfehlung: Die Hollows-Serie von Kim Harrison.

Ich habe Kim Harrisons Hollows-Reihe um die Hexe Rachel Morgan schon in den letzten paar Posts über den grünen Klee gelobt. Jetzt ist es Zeit für eine ordentliche Vorstellung.

Wovon reden wir hier?

Von einer 13-teiligen, mittlerweile abgeschlossenen Urban Fantasy-Reihe, die aus der Ich-Perspektive von Protagonistin Rachel Morgan erzählt wird. Jedes Buch ist in sich abgeschlossen, aber es gibt große Handlungsbögen, die erst über mehrere Bände abgeschlossen werden. Das ganze spielt in Cincinatti, wir haben eine wissenschaftliche Begründung dafür, dass Menschen, Vampire, Hexen, Werwölfe etc. zusammenleben. Wohlgemerkt, eine skurrile wissenschaftliche Begründung, die Spaß macht (die Tomaten sind Schuld).

PBhcCoverWorum geht’s?

Rachel Morgan ist eine Hexe, die für die Inderlander Security (die Polizei für alles Nicht-Menschliche) arbeitet. Da sie nur noch lächerliche Fälle zugeteilt bekommt, kündigt sie, zieht mit ihren Kollegen, Vampirin Ivy und Pixy Jenks, in eine Kirche und gründet ihre eigene Agentur. Die Probleme, mit denen sie sich im Laufe der dreizehn Bände herumschlägt, haben allerdings bald nichts mehr mit ihrem Job zu tun. Vielmehr geht es darum, wie Inderlander untereinander und Inderlander mit Menschen zurechtkommen können – das Machtgeflecht und die Struktur der Paranormalen in Cincinatti ist nämlich sehr komplex und problematisch.

Warum die Empfehlung?

Weil die Figuren genial sind. Rachel ist eine Figur, die ausprobiert, auf die Nase fällt, weiter ausprobiert und sich schließlich durch wirklich innovative Mittel weiterentwickelt. Sie hat so, so viele Schwächen, und gelegentlich braucht sie verdammt lange, um ihre Lektionen zu lernen, aber ihre Killerstärken bügeln das Ganze wieder aus.
Allerdings sind es ihre Sidekicks, die die Geschichte erst wirklich mit Leben füllen: Da ist zum einen ihre Kollegin und Freundin Ivy, die als Vampirin gegen ihre bluttrinkende Natur ankämpft und so einige Traumata zu bewältigen hat. Jenks, ein achtzehnjähriger Pixy, der eigentlich schon am Ende seiner Lebenserwartung steht, ist ein großmäuliger Vater von 50 Kindern. Er ist zwarFAFDMhcCover das jüngste Mitglied des Trios, verfügt aber als Familienvater und Pixykrieger dafür über eine Lebenserfahrung, gegen die Rachel und Ivy gelegentlich ein wenig blass aussehen. Szenen, in denen alle drei zur Höchstform auflaufen, sind in jedem Buch die Highlights. Und Dämon Al, der ursprünglich als Bösewicht eingeführt wurde, ist wohl eine der komplexesten Figuren in dieser ganzen Serie. Allein für seine Geschichte lohnt sich das Lesen.

Mir fällt auf Anhieb keine einzige flache Figur ein, selbst die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet.

Das Ensemble der Hollows besteht aus Figuren mit verdammt vielen Fehlern. Und gerade das macht sie so lesenswert. Außerdem sind sie Konflikten ausgesetzt, die für mein kleines Leserherzchen genau das richtige sind. Es geht um Entscheidungen, die sehr oft mit der eigenen Identität zusammenhängen – wer bin ich? Wer will ich eigentlich sein? Kann ich über das hinauswachsen, was ich eigentlich sein soll? Trotzdem mangelt es nicht an Humor. Und selbst die Figuren, die meistens für den Comic Relief sorgen, haben ihre Geschichten, in denen man sie einfach bloß in den Arm nehmen und ihnen einen heißen Kakao machen möchte.

Fantastische Viecher

Außerdem ist Kim Harrison eine der wenigen Autoren, die altbackenen fantastischen Wesen einen frischen, unverbrauchten Twist geben kann. Ihre Vampire sind faszinierend und creepy, ihre Pixies wundervoll, und das Beste sind meiner Meinung nach ihre Dämonen. So etwas habe ich noch nie gelesen. Meiner Meinung nach eine wirklich großartige Handhabung, zwei Dinge unter einen Hut zu bekommen: Nämlich klarzustellen, dass nicht alles ist, wie es scheint, und gleichzeitig den Viechern nicht das Gefährliche, Dunkle, Bedrohliche zu rauben. Das coole ist, dass sie sich zum Teil recht eng an Volksmärchen und Mythen hält, andererseits aber auch viele Klischees auf den Kopf stellt. So macht es einfach Spaß, in Cincinattis paranormale Welt – oder auch ins Ever After, wo die Dämonen eher unfreiwillig hausen – einzutauchen.

Außerdem

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Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem kann ich nur ans Herz legen, die Bücher im Original zu lesen. Zum einen sind die Titel cooler: Jedes Buch ist eine Verballhornung eines Clint Eastwood-Films („Every Witch Way but Dead“, „The Outlaw Demon Wails“, „The Witch with No Name“). Auf deutsch habt ihr die Bücher vielleicht schon in der Fantasy-Abteilung gesehen, beiger Einband mit einem Auge und eher langweiligem „Blut“+Zusatz: Bluthexe, Blutschwur, etc. Zudem habe ich jetzt noch mal in den ersten Band auf deutsch reingeschnuppert und festgestellt, dass die Übersetzung wirklich zu wünschen lässt. Das tut der Geschichte und den Figuren jedoch keinen Abbruch.
Vom trashigen Cover-Design der englischen Ausgabe sollte man sich übrigens nicht abschrecken lassen.

Wer wollte vielleicht eher die Finger davon lassen?

Natürlich diejenigen, die keine Lust haben, 13 Bücher a 500 Seiten zu lesen. Und diejenigen, die per se keine Geschichten aus der Ich-Perspektive lesen wollen. Und wer Vampir-Chicklit-Geschichten sucht, ist hier ebenfalls an der falschen Adresse. Romantik kommt in den Hollows zwar nicht zu kurz, aber der Hauptfokus liegt woanders, und es gibt hier keine sexy Vampir-Loverboys (bzw. wenn sie sich mal kurz blicken lassen, leben sie meist nicht lange). Wer ein extrem hohes sprachliches Niveau erwartet, könnte enttäuscht sein. Kim Harrison schreibt gut und spannend, aber sie schreibt auch umgangssprachlich. Etwas anderes würde auch nicht zu Rachel passen.

Fazit

Die Hollows verbinden coole Figuren mit interessanten Handlungen, denen es eigentlich nie an Skurrilität mangelt. Dadurch erhalten die Geschichten eine gewisse Leichtigkeit (trotz der allgegenwärtigen Düsternis), wo andere Bücher schnell in eine … äh … apokalyptische Stimmung abrutschen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm, und ich kann nicht oft genug betonen, dass ich Harrisons Interpretation der gängigen Fantasywesen sehr erfrischend finde.

Und jetzt genug der Lobhudelei. Lest es einfach selbst, wenn ihr Lust bekommen habt 🙂

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4 Gedanken zu “Buchempfehlung: Die Hollows-Serie von Kim Harrison.

    • Dass du das alles in einem Monat gelesen hast, ist so krass 😀 Aber ich bin auch extrem langsam. Wobei … wahrscheinlich zögere ich das Komplett-Fertig-Lesen auch nur deshalb so lange hinaus, weil ich sehr traurig sein werde, wenn es vorbei ist… Hachja 😀

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