Wie erkennt man einen seriösen Verlag? – Teil 1: Grundsätze

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Die meisten Autoren träumen von der Veröffentlichung. Aber wenn man ein liebevolles Verlags-Zuhause für sein Manuskript sucht, hagelt es oft erst einmal Absagen. Enttäuschung pur. Und dann stößt man bei der Suche auf den verheißungsvollen Satz: „Verlag sucht Autoren!“ Da heißt es auf der Website: „Autor werden! Schreiben Sie? Wir verlegen Ihr Buch. Wir geben jungen Autoren eine Chance auf dem Buchmarkt!“ Großartig, nicht wahr?

Es folgen: Begeistertes Feedback, eine Zusage und … ein Kostenvoranschlag. Natürlich wollen sie man das Manuskript verlegen – für einen vier- bis fünfstelligen Betrag. Man ist an einen „Druckkostenzuschussverlag“, kurz DKZV, geraten.

Wir werden hier im Weiteren von Pseudoverlagen oder Selbstkostenunternehmen sprechen, denn es handelt sich nicht um richtige Verlage. Das Aktionsbündnis für faire Verlage und die Initiative Nein zu DKZV warnen schon seit Jahren vor solchen Unternehmen, denen vor allem junge Autoren auf den Leim gehen. Trotzdem herrscht ein großes Unwissen unter den Autoren. Für Laien sind Zuschussunternehmen auch online oftmals nur schwer von seriösen Verlagen zu unterscheiden. Zu zahlreichen „Verlagen“ gibt es Google-Anfragen: „Ist Verlag XY seriös?“

Man kann also gar nicht genug aufklären. Deshalb folgt eine Reihe darüber, wie ihr einen seriösen Verlag erkennt. In Teil 1 klären wir grundsätzliche Dinge, und da die Verlagssuche heute oft im Internet stattfindet, gehen wir in Teil 2 auf die Gestaltung der Websites ein, sodass ihr schon nach ein paar Klicks feststellen könnt, ob ihr es mit einem seriösen Verlag oder einem Selbstkostenunternehmen zu tun habt.
Heute fangen wir aber erst einmal mit den Grundlagen an.

Was ist ein Verlag?

Zunächst einmal: Der Begriff „Verlag“ ist nicht geschützt, das heißt, jedes x-beliebige Unternehmen darf sich so nennen. Heißt auch: Nur weil „Verlag“ draufsteht, ist nicht zwangsläufig „Verlag“ drin.

books-683897_960_720Der Grundsatz lautet: Verlag kommt von Vorlegen. Schon das Wort „Verlag“ leitet sich von dem Verb „vorlegen“ ab. Konkret bedeutet das: Ein seriöser Verlag trägt das finanzielle Risiko für seine Projekte. Und genau weil der Verlag das finanzielle Risiko trägt, muss er zusehen, dass er das Geld wieder reinbekommt. Durch Buchverkäufe. So ist das Wirtschaftsmodell: Der Verlag legt vor, und letztlich finanzieren die Buchkäufer das Buch. Genau aus diesem Grund kann ein seriöser Verlag nicht sämtliche Projekte realisieren, die ihm angeboten werden, sondern muss durchaus auf den Markt schauen. Der Inhalt des Buchs muss gut sein, die Qualität muss stimmen, die Idee ins Verlagsprogramm passen (ein Horrorverlag wird nicht plötzlich Kinderbilderbücher oder Liebeslyrik verlegen!) und das Potenzial haben, eine gewisse Menge an Leuten anzusprechen – genug Leute, um die Herstellungskosten wieder reinzuholen und im Idealfall ein Plus zu erwirtschaften.

So arbeitet ein klassischer, seriöser Verlag.

Allerdings haben wir einen Assoziationskomplex im Hirn, der „Buch“, „Druck“ und „Verlag“ zusammenwirft, obwohl sie nicht zwangsweise miteinander verbunden sind. Das bedeutet, dass „Buch“ und „Verlag“ in den Köpfen vieler Menschen untrennbar miteinander verbunden sind: Wer Bücher herstellt, ist ein Verlag. Oder nicht?

Was ist ein Pseudo-Verlag?

Pseudoverlage haben ein anderes Wirtschaftsprinzip als Verlage. Sie finanzieren sich nicht über den Buchverkauf, sondern über das Geld, das sie den Autoren abverlangen.
Hier heißt der Grundsatz: Wenn ihr dafür bezahlen sollt, ist es kein Verlag.
largeEgal, was euch in einer enthusiastischen Zusage-Mails erzählt wird. Wenn das Unternehmen Bücher herstellt und ihr dafür bezahlen sollt, ist es kein Verlag, sondern ein Dienstleister.

Und weil Pseudoverlage vom Geld des Autors und nicht von den Einnahmen aus Buchverkäufen leben, werben sie zumeist auch aggressiv um Manuskripte. Tatsächlich besteht das deutlichste Warnsignal auf einer Website aus den verführerischen Worten: „Verlag sucht Autoren!“, „Autor werden!“, „Schreiben Sie?“, „Wir veröffentlichen Ihr Buch!“, „Der Traum vom eigenen Buch!“ oder „Manuskript einsenden“. Oder in Beteuerungen, dass auch junge Autoren bei ihnen zum Zug kommen.

Warum ist das überhaupt ein Problem?

Zuschussunternehmen sind dann kein Problem, wenn sie sich auf ihren Websites deutlich als Dienstleister präsentieren und darüber aufklären, dass der Autor entsprechend bezahlen muss, wenn er diese Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Wenn sie transparent sind und faire Preise für ihre Dienstleistungen verlangen. Wenn sie keine Lügen über die Verlagspraxis erzählen. Oder über das Honorar. Und wenn sie Autoren keine falschen Versprechungen machen.

Solche Zuschussunternehmen gibt es. Aber die populären, die bei einer Google-Suche ganz oben auftauchen, fallen nur selten in diese Kategorie. Bei vielen ist nicht ersichtlich, dass es sich um Dienstleister handelt, bei vielen sind diese Informationen gut versteckt. Bei so manchem erfährt der Autor erst bei den Vertragsverhandlungen, dass er zahlen soll.

lesenJa allein die Selbstbetitelung als Verlag ist schon problematisch. Denn viele junge Autoren wissen gar nicht, wie der normale Ablauf für die Buchherstellung ist und bekommen durch Pseudoverlage ein falsches Bild vermittelt. Wenn ein Unternehmen, das sich „Verlag“ nennt, dir erzählt (oder eher: vorlügt), es sei absolut gängig, dass Autoren ihre Bücher bezuschussen, sinkt die Hemmschwelle, das verlangte Geld zu bezahlen. Machen ja schließlich scheinbar alle so. Und das stimmt einfach nicht.

Nun kann man natürlich sagen: Selbst Schuld, niemand zwingt den Autoren, so viel Geld in die Tonne zu klopfen, selbst schuld, wenn man so naiv ist und sich nicht ordentlich informiert. Aber damit macht man es sich ein bisschen leicht, denn viele Zuschussunternehmen fahren alle Geschütze auf, ihre Methoden als recht und billig zu verkaufen. Diese Unternehmen haben aus gutem Grund einen schlechten Ruf.

Am Ende steht der Autor schlimmstenfalls vor einem Schuldenberg, neben einem Haufen Bücher, die niemand haben will. Und nicht nur das: Hat man einmal bei einem Zuschussunternehmen veröffentlicht, wird es schwierig, bei einem seriösen Verlag einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Deswegen sind Pseudoverlage problematisch.

Druckkostenzuschussverlag, Privatverlag, Bezahlverlag, DKVZ, Dienstleisterverlag…

Zuschussunternehmen haben viele verschiedene Namen. Kritiker sprechen gern von (Druckkosten-)Zuschussverlagen (kurz DKVZ), Selbstkosten- oder Pseudoverlagen, die Unternehmen selbst nennen sich gern Privat- oder Dienstleisterverlag. Auch die Eigenbezeichnung als Self-Publisher-Verlag ist im Kommen.
williamDas ist ALLES Käse.

Dienstleisterverlag? Ein Wiederspruch in sich, denn ein Dienstleister wird nichts vorlegen.
Self-Publisher-Verlag? Der Witz am Self-Publishing ist ja gerade, dass man dafür keinen Verlag braucht.
Druckkostenzuschussverlag? „Nein, wir sind kein Druckkostenzuschussverlag. Den Druck übernimmt der Verlag. Sie, lieber Autor, müssen nur annehmbare 14.000€ fürs Lektorat bezahlen / eine Risikobeteiligung von 20.000 / die Marketingkosten… / müssen nur 50 Exemplare a 18,95€ selbst kaufen.“

Es ist egal, wofür genau das Unternehmen Geld verlangt – noch einmal, sprecht mir nach: WENN DER AUTOR BEZAHLEN SOLL, IST ES KEIN VERLAG.
Und auch Kritiker dieses Geschäftsmodells sollten aufhören, diese Unternehmen als Verlag zu bezeichnen, denn das stiftet nur Verwirrung und lässt diesen Haien einen „Titel“ angedeihen, den sie nicht verdienen. Einzig „Pseudoverlag“ – das trifft voll ins Schwarze. Und der Name wurde sogar vom Landgericht München für zulässig erklärt.

Lektorat, Cover, Marketing – Arbeitsschritt oder Leistung?

Viele Autoren halten ihr Manuskript für perfekt und glauben, ein Lektor würde die Authentizität verpfuschen. Auch das ist Käse, meine Damen und Herren. Lektorat und Korrektorat sind wichtig, selbstverständlich und unumgänglich – und werden vom Verlag finanziert. Auch wenn es dem Autor wehtut. Der Lektor ist dazu da, um das Buch zu verbessern. Auch die Covergestaltung, die Herstellung, der Vertrieb und das Marketing liegen beim Verlag (was nicht bedeutet, dass man nicht selbst ebenfalls werben sollte – z.B. in den sozialen Netzwerken, auf dem Blog oder sonstwo – größere Sichtbarkeit!).

Bei Pseudoverlagen werden diese selbstverständlichen Arbeitsschritte zur Buchproduktion allerdings als „Leistungen“ bezeichnet. Wie gesagt, das sind Dienstleister. Bei manchen muss man das Lektorat erst hinzubuchen, was natürlich mit höheren Kosten verbunden ist. Wenn der Autor keines wünscht, bleibt das Manuskript eben fehlerhaft. Das Unternehmen wird es trotzdem in Druck geben (den Nachteil hat am Ende der Leser – falls das Buch je einen findet – der sich durch Rechtschreibfehler und Logiklücken kämpfen darf). Und selbst wenn der Autor diese Leistungen bucht und bezahlt, heißt das nicht zwangsläufig, dass das Unternehmen sie erfüllt. Schaut euch mal Leseproben aus Zuschussverlagen an, wenn ihr euch gruseln wollt.

book-759873_960_720Ein seriöser Verlag tut sein Möglichstes, im Korrektorat alle Fehler auszumerzen und im Lektorat das Beste aus dem Manuskript herauszuholen, kümmert sich um ein ansprechendes Cover und gutes Marketing – um das bestmögliche Buch herzustellen, denn schließlich soll das Produkt dem Leser auffallen, ihn hungrig machen und zum Lesen anregen. Das liegt im eigenen Interesse des Verlags. Nicht zuletzt soll das Buch ja schließlich in der Lage sein, seine Herstellungskosten wieder einzufahren.

Aber wenn ein Unternehmen schon einen vier- bis fünfstelligen Betrag vom Autor eingenommen hat – warum soll er sich dann noch die Mühe machen, das Buch zu bewerben? Oder Zeit und Geld in ein Lektorat oder ein ansprechendes Cover zu stecken? Er hat die Herstellungskosten ja schon längst wieder eingeholt. Laut dem Aktionsbündnis FAIRlage werden die Umsätze von Zuschussunternehmen auf Millionenhöhe geschätzt, mysteriöserweise findet man aber im Buchhandel keines dieser Bücher. Auch kennt man die Verlage in der Regel nicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

~~~

Das war es heute zu den Grundsätzen, nächste Woche geht es in Teil 2 mit Merkmalen auf Websites weiter, an denen ihr seriöse Verlage und Zuschussunternehmen erkennen könnt.

Hier noch ein paar lesenswerte Links:
Aktionsbündnis FAIRlag
Nein zu DKZV (dort gibt’s auch schwarze Listen mit schwarzen Schafen)
Spiegel-Artikel „Die schönsten Seiten des Schwachsinns“, alias: DKZV nehmen jeden Schund
Spiegel-Artikel mit Erfahrungen einer enttäuschten DKZV-Autorin
Eine interessante Diskussion aus dem Büchereulen-Forum, in der sich eine DKZV-Mitarbeiterin zu Wort meldet

Seid ihr schon an Zuschussunternehmen geraten? Oder wart ihr schonmal versucht, euer Mansukript an so ein Unternehmen zu schicken?

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Ein Gedanke zu “Wie erkennt man einen seriösen Verlag? – Teil 1: Grundsätze

  1. […] Letzte Woche ging es darum, wie sich seriöse Verlage und Pseudo-Verlage prinzipiell in ihrem Geschäftsmodell unterscheiden. Zur Auffrischung: Verlage finanzieren Buchprojekte vor, die ihre Herstellungskosten durch entsprechend hohe Buchverkäufe wieder eingeholen können. Zuschussunternehmen lassen sich vom Autor bezahlen und zielen nicht primär auf einen kommerziellen Absatz der Bücher ab. Wenn ihr nun auf eine Verlags/“Verlags“-Website kommt, […]

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