Der Herbst und das Schreiben

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Irgendetwas ist mit dieser Jahreszeit. Der Herbst ist nicht einmal da, er klingt im Moment bloß ganz leise an – in kalten Morgenstunden, im Nebel zwischen den Baumwipfeln, in feinen Spinnweben. Der Altweibersommer klopft an die Tür und kündigt mit einem leisen Flüstern die bunte Jahreszeit an (wohlgemerkt, in einer Woche, in der die Temperaturen zwischen 8 und 35°C auf und ab hüpfen).

Aber irgendetwas ist mit dem Herbst, das das Schreiben leichter macht. Für mich jedenfalls. Im Herbst überfallen mich die Ideen, stolpern Figuren in meinen Kopf, ein Knoten löst sich, der sowohl das Plotten als auch das Schreiben selbst flüssiger werden lässt. Vielleicht ist es die schwindende Hitze, vielleicht legt die Landschaft, die sich plötzlich ganz schnell verändert, einen Schalter im Kopf um, das alles flexibler macht.

Mein Herzensprojekt hat seinerzeit, nachdem ich die Grundzutaten über Jahre mit mir herumgetragen habe, zwischen goldenen Oktoberbäumen und kaltem Novemberregen seinen roten Faden gefunden. Alles hat sich während des Laufens im Herbstwald in ein logisches Muster gefüht, mit dem würzigen Geruch von Laub und feuchter Erde, zu dem Gezeter von Eichelhähern und Krähen. In dem Projekt spielt der Herbst eine entsprechend große Rolle. Zumindest trägt er, gerade am Anfang, maßgeblich zur Atmosphäre bei.

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Obwohl im August geschrieben, ist „Die Andere Seite des Feuers“ eine Herbstgeschichte, und das nicht nur, weil sie an Samhain spielt. Der Sommer 2014 war einfach nicht der allerfreundlichste, und Nira und Cinn sind im Herzen Herbstkinder. Die ganze Schreibphase, bzw. die Atmosphäre, die ich mit dieser Geschichte verbinde, ist ein verregneter Spätsommer, den ich mit meinem Herzblatt auf einem Campingplatz in Holland verbracht habe, wo wir in der Ferne die Regenschauer beobachteten und die Tropfen auf unser Zeltdach platzschen hörten. Ja, warm genug zum Draußenschlafen – aber auch nur gerade eben. Und in den Sonnenstunden wurde das Notizbuch gezückt.

Und jetzt gerade ist es, als hätte jemand eine Portion Schmiermittel in meinen Kopf gegossen. Seit März ging alles nur sehr schleppend voran, jeder Gedanke hat mindestens drei Extraumwege gemacht und auf halber Strecke den Biss und die Schärfe verloren, sodass alles Schreiben – sowohl das fiktionale als auch das wissenschaftliche – sehr anstrengend war. Und gedauert hat.

Aber jetzt läuft es langsam wieder. Gestern wartete ich sehr lange vor der Tür meines Dozenten, mit dem ich über meine Abschlussarbeit sprechen wollte. Das Warten vertrieb ich mir mit einer Szenenübersicht für das aktuelle Projekt. Und ehrlich, ich konnte bisher noch nie von der ersten bis zur letzten Szene sagen: Das passiert hier, darauf folgt das, dies führt zu jenem, und das kommt am Ende dabei heraus. Gestern schon. Und das hat mich letztlich mehr gefreut als das Okay für meine Abschlussarbeit (sollte ich meine Prioritäten überdenken? 🙂

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Neben einem Plot, mit dem ich endlich, endlich zufrieden bin, geistern da noch ein paar weitere Ideen durch meinen Kopf. Gerade heute morgen unterhielt ich mich mit meinem Vater darüber, dass die Gegend hier sich eigentlich perfekt eignet, um einen Lokalroman zu schreiben. Lokalkrimis gibt es hier so einige, aber wir sind die waldreichste Gegend Deutschlands. Pflanzen, jede Menge Nebel und Berge … Damit ist die hiesige Landschaft eigentlich prädestiniert für eine Fantasygeschichte. Mein Herzensprojekt beinhaltet schon so einige Elemente, aber es spielt ein paar Jahrtausende zu früh. Trotzdem, ich hätte auch Ideen für etwas Zeitenössischeres. Mal sehen, mal sehen.

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Wie ist das bei euch? Habt ihr Jahreszeiten, in den das Schreiben bei euch besonders gut läuft? Oder besonders schlecht?

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5 Gedanken zu “Der Herbst und das Schreiben

  1. Zuerst mal: YAYYY!!!
    Bin zwar ja kein Autor aber: ja, bei mir ist normalerweise der August am produktivsten. Meistens. Altweibersommer ist meine Lieblingsjahreszeit. Absolut. Und direkt danach kommt Herbst. 🙂 wir Kinder aus dem Herbstgebirge 🙂

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