Buchempfehlung: Bartimäus

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In meinem Post über phantastische Lieblingswesen habe ich unter anderem über Dämonen gesprochen, und darüber, dass das Wort eigentlich alles und nichts bedeuten kann. Bartimäus, der Protagonist in Jonathan Strouds gleichnamiger Buchreihe, ist eigentlich ein Djinn, wird aber von seinen Beschwörern immer mal wieder „Dämon“ genannt. Er hasst es. Und kommentiert in seinen Fußnoten schamlos die Dummheit von uns Menschlein. Allein diese Fußnoten sind eine Empfehlung wert.

Worum geht’s?

img_3585Die Prämisse klingt zunächst ein bisschen nach Harry Potter: Der junge Nathanael ist ein Zauberlehrling in London. Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Nathanael ist ein überheblicher, vor allem aber irrsinnig ehrgeiziger Rotzlöffel, der sich vorgenommen hat, seine Ausbildung auf eigene Faust zu beschleunigen und hohe Magie zu betreiben. Er beschwört einen Djinn namens Bartimäus, einen rotzfrechen Gesellen, der gezwungenermaßen Nathanael bei seinem Rachefeldzug gegen Simon Lovelace zur Hand geht, der Nathanael einst gedemütigt hat. Da der holde Knabe noch nicht mal in der Pubertät ist, lässt es sich Bartimäus nicht nehmen, Nathanael immer wieder mit trockenen Sprüchen und jeder Menge Ironie aufzuziehen.

Im Laufe der Reihe steht Bartimäus immer mal wieder in Nathanaels Diensten – gegen seinen Willen, denn Djinnbeschwörung ist nichts anderes als Sklaverei, und Bartimäus mag seinen Meister nicht besonders. Als die versklavten Djinn allerdings gegen die Zauberer rebellieren, sieht es schlecht für alle Beteiligten aus und die beiden müssen sich zusammenraufen.

Warum die Empfehlung?

img_3587Für unseren Helden, Bartimäus, der einer der coolsten Protagonisten ist, die ich bisher gelesen habe. Er ist sehr stolz darauf, bei so ziemlich allen wichtigen Ereignissen des Altertums dabei gewesen zu sein – und das Kurierlaufen für Nathanael ist selbstverständlich unter seiner Würde und eine Beleidigung seiner Fähigkeiten. Aber was soll man machen? Außerdem ist er ein Trickster, und Trickset sind immer wundervoll. Während er widerwillig für Nathanael Aufträge ausführt, gerät er immer wieder in Schwierigkeiten, aus denen er sich mit Köpfchen und seiner spitzen Zunge herauswindet.

Gleichzeitig ist die Figur jedoch auch komplex, denn als Djinn wird er versklavt, wann immer man ihn beschwört. Muss er zu lange dem Jenseits fernbleiben, leidet er Schmerzen und seine Substanz wird immer dünner. Eine vielschichtige und interessante Figur, die in jedem Setting Spaß macht – neben den drei Büchern, die im modernen London spielen, gibt es nämlich auch einen vierten Teil, in dem er auf König Salomon und die Königin von Saba trifft. Nicht weniger vergnüglich.

Außerdem spricht er in Fußnoten mit dem Leser. Die Bücher sind allesamt aus drei Perspektiven erzählt, doch Bartys Kapitel sind gespickt mit frechen, sarkastischen und zugleich durchaus informativen Fußnoten. Okay, manchmal auch nicht informativ – manchmal beleidigen sie auch bloß Leute.

Unkonventionelles Fantasy-Setting

the-amulet-of-samarkandMan müsste die Bartimäus-Reihe wohl irgendwie als Urban Fantasy klassifizieren, aber es fühlt sich nicht nach Urban Fantasy an, was möglicherweise an den Djinn (und ihren Kollegen, den Afriten, Mariden, etc.) liegt. Diese uralten Wesen, die stets betonen, dass sie schon bei der Entwicklung der ersten Hochkulturen anwesend waren und sich trotzdem bisweilen wie Schulkinder kabbeln, geben dem Ganzen einen exotischen Touch. Außerdem machen wir ab und an tatsächlich Abstecher ins Alte Ägypten und verlassen die Realität. Wenn wir dann doch etwas von „unserer“ Welt mitbekommen, dann trifft die kalte Politik der Londoner Zauberer auf die Widerstandskämpfer im Untergrund. Oder wir beobachten Djinn dabei, wie sie im modernen London zurechtkommen – eine interessante Perspektive.

Und dann ist da natürlich der Aufbau der magischen Welt. Zauberer sind komplett auf Djinn und höhere Klassen der Geister angewiesen; Magie besteht größtenteils daraus, möglichst mächtige Wesen zu erschaffen und ihnen die Drecksarbeit aufzuhalsen. Nicht süß, nicht fluffig, füttert die Misanthropie, ist aber, wie ich finde, ein sehr interessantes Konzept – gerade für ein Jugendbuch (zumindest standen die Bücher in unserer Buchhandlung immer bei den Jugendbüchern).

Keine Angst vor Unsympathen

bartWie bereits erwähnt, die Bücher werden aus drei Perspektiven erzählt – der von Bartimäus, der von Nathanael, und später kommt noch die Widerstandskämpferin Kitty dazu. Stellenweise mochte ich einzig und allein Barty. Nathanael ist ein Kotzbrocken, und was bei einem Elfjährigen noch niedlich sein kann, wird unwiderruflich ätzend, wenn der Knabe sich zum machtgeilen Erwachsenen mausert. Kitty soll, glaube ich, eine Sympathieträgerin sein, mir persönlich war sie trotzdem oft unsympathisch.

Auf wundersame Weise war es aber irgendwie egal, dass ich die beiden nicht mochte. Keine Ahnung, wie Stroud das angestellt hat – so etwas kann ein Buch auch ganz schnell ruinieren. Bei der Bartimäus-Reihe klappt es aber – ich vermute, weil der Leser und Barty die Abneigung gegen Nathanael teilen, und weil Kitty ein gutes Herz hat und für eine wichtige Sache einsteht.

Im vierten Buch bekommen wir dann übrigens eine wahnsinnig sympathische Badass- Dämonenbeschwörerin, der Barty sogar gerne zur Hand geht. Asmira war eine großartige Protagonistin, ich habe immer gehofft, dass Stroud noch ein Buch mit ihr schreibt.

Wer sollte vielleicht die Finger davon lassen?

Ganz ehrlich, da fällt mir auf Anhieb niemand ein. Religiöse Fundamentalisten vielleicht, die ein Problem mit Magie und Dämonen haben. Ich für meinen Teil habe die Bartimäus-Bücher zu einem Zeitpunkt verschlungen, als ich mit Dämonen/Geistern/etc. als Fantasywesen noch gar nichts anfangen konnte, und fand es trotzdem großartig, was definitiv an der Figur des Bartimäus liegt.
Diese Bücher machen Spaß, ich kann sie guten Gewissens jedem ans Herz legen.

Habt ihr die Bartimäus-Bücher gelesen? Wenn ja, haben sie euch gefallen? Oder war’s eher nicht euer Fall?

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7 Gedanken zu “Buchempfehlung: Bartimäus

  1. Ja! Bartimäus ist toll :D.
    Ich gebe aber zu, dass ich Band 4 immer noch nicht gelesen habe. Ich kann nicht. Mich hat Band 3 zu sehr belastet und ich habe die Buchreihe seitdem nicht noch mal anrühren können, auch wenn ich seitdem Etliches von Stroud gelesen habe (ich empfehle „Heroes of the Valley“ sehr, auch wenn das VÖLLIG anders ist).
    Selbst jetzt – das ist bestimmt inzwischen an die fünf Jahre her – habe ich beim Reden darüber einen Kloß im Hals. Aber das beweist ja wohl, was für einen Eindruck die Bücher hinterlassen haben bei mir.

    • Oh, wow, dann haben dich die Bücher ja wirklich nachhaltig beeindruckt! Aber Band 3 war auch krass. Dagegen ist Band 4 wieder ein bisschen fluffiger – oder so fluffig, wie es im Bartiversum even werden kann. Ich muss zugeben, dass ich außer Bartimäus nichts anderes von Stroud gelesen habe, aber ich mag seinen Stil sehr. Heroes of the Valley möchte ich mir auf jeden Fall vornehmen.

      • „So fluffig, wie es werden kann“, klingt schon mal gut – zu fluffig ist ja auch nicht glaubwürdig :).
        Stroud ist sehr vielfältig als Autor und er probiert gerne auch mal Sachen aus, die sich sonst niemand trauen würde.
        Das von dir angesprochene „Fußnoten + unsympathischer Protagonist“ beispielsweise.
        Oder eben andere Dinge. Und das ist etwas, das ich bei Autoren sehr schätze.

        • Ich glaube, zu fluffig geht mit dieser Figur auch nicht 🙂 Aber es ist zumindest nicht mehr so aufwühlend wie Band 3 und ging vom Feeling her (finde ich) mehr wieder Richtung Band 1, aber eben mit einer sympathischen Menschenfigur.

          Ja, gerade solche Sachen finde ich sehr spannend, machen leider nicht viele. Ein Grund mehr, noch mehr von Stroud zu lesen 🙂

  2. Hi, ich kann mich dir anschliessen, obwohl mir nicht bekannt war, das es noch einen vierten teil gibt. Und das 3. Buch finde ich nicht besonders gelungen, sondern zu sehr in die Länge gezogen. Aber Bartimäus ist eine tolle Figur.

    • Wie gesagt, auch der 4. Teil ist toll, vielleicht gerade auch, weil er unabhängig von der Trilogie spielt und als „Einzelband“ wieder ein wenig dichter ist als Teil 2 und 3 🙂

  3. Ups besser spät als nie 😉
    Ich fand Teil 1-3 auch super. Dass es einen vierten gibt, wusste ich theoretisch von dir, hab ich aber zeitweise vergessen. Ich schließ mich allem an, was du drüber geschrieben hast. Am besten ist mir die seltsame Konstellation der Protagonisten (saucoolundgroßartig – unausstehlich arroganter Lackaffe – eigentlich cool aber nervig) in Erinnerung geblieben. Mal sehen… Danke fürs in-Erinnerung-rufen 🙂

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