Buchempfehlungen: „Do You Feel What I Feel“ und Johannes Cabal

Eigentlich wollte ich vor Halloween und pünktlich zum ersten Advent neue Buchempfehlungen posten. Da ich beides verpennt habe, gibt es die Empfehlungen heute im Doppelpack.

Fangen wir mit dem Winterlich-Herzigen an.

Do You Feel What I Feel

Was ist das? “Do You Feel What I Feel” ist eine Kurzgeschichtenanthologie aus dem YlvaVerlag. Gleich vorab: Der Ylva-Verlag spezialisiert sich auf Literatur von und für Frauen, häufig auch auf lesbische Figuren. Und die Sammlung ist auf Englisch.

doyoufeel

Worum geht’s? Die Anthologie enthält 12 weihnachtliche (mehr oder minder – „Holiday“ lässt ja Spielraum, es kommen auch nicht-christliche Feiertage vor), lesbische Liebesgeschichten. Was? Isa, die sonst immer gegen zu viel Romantik wettert, empfiehlt eine Schnulzensammlung? Heuchlerin! *hust*

Warum die Empfehlung: Weil gestern der 1. Advent war und man sich mit dieser Anthologie nett auf die Feiertage einstimmen kann (v.a. wenn man, wie ich im Moment, Probleme hat, auch nur ansatzweise vorweihnachtliche Stimmung heraufzubeschwören). Und weil die Welt mehr Happy Ends für Frauenpaare braucht.

Die liebe Carola vom Schreibkasten hat letzte Woche einen fabelhaften Text über das Klischee der toten Lesbe geschrieben. Geht hin, lest ihn, falls ihr noch nie davon gehört habt. Carola erklärt hervorragend, warum das Klischee ein Problem ist.
Kurzfassung: Lesbische Figuren werden überdurchschnittlich oft auf brutale Weise aus dem fiktiven Leben gerissen. Vor allem im Mainstream, vor allem in TV-Serien, aber eben auch in Büchern. Das wäre an sich nicht schlimm, wenn Happy Ends oder auch nur lebendige Enden für lesbische Figuren nicht so selten wären, dass man den Eindruck bekommen könnte, lesbische Figuren dürften nicht glücklich werden. Es gibt zu den ganzen Morden und Unhappy-Ends einfach kaum Gegenentwürfe. Schon gar nicht im Mainstream.

Nun ist Ylva natürlich ebenfalls kein Mainstream, der Verlag spezialisiert sich auf eben das entsprechende Publikum, aber gerade deshalb bietet diese Anthologie einen schönen Gegenentwurf zum frustrierenden Bild der lesbischen Figuren, denen auf die eine oder andere Weise ihr Happy End verwehrt wird. Hier gibt es, soweit ich mich erinnere (ist schon ein Jahr her, seit ich das Buch gelesen habe), ausschließlich Happy Ends, obwohl die Geschichten nicht unbedingt nur aus Zimt und Zuckerwatte bestehen. Es ist durchaus viel Ernstes dabei, viel Bittersüßes, und vieles, was zum Nachdenken anregt.

Was gibt es da so? Zum Beispiel eine niedliche Geschichte über die eigensinnige Schwester von Santa Claus. Eine wunderbare Geschichte über eine Transfrau. Eine allerliebste über einen Bücherwurm, die in ihre Bibliothekarin verliebt ist, eine rührende über Hanukkah. Eine skurrile Geschichte über zwei Wichteljägerinnen, die versuchen, ihre übernatürlichen Aktivitäten über Weihnachten vor den Schwiegereltern zu verstecken … um nur ein paar zu nennen.

Und dann gibt es „A Gift of Words“ von Patricia Penn, eine der besten Kurzgeschichten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, in der zwei Dämoninnen das erste Mal Weihnachten erleben. Allein für dieses Juwel von einer Geschichte lohnt es sich, die Anthologie zu lesen.

Ansonsten ist es natürlich, nun ja, eine Kurzgeschichten-Anthologie. Bei so vielen Geschichten wäre es ein Wunder, wenn einen jede einzeln vom Hocker hauen würde. Aber ich für meinen Teil habe ein paar schöne Stunden mit diesem Buch verbracht – und das, obwohl man mich mit Romanzen normalerweise jagen kann.

Wer sollte vielleicht eher die Finger davon lassen? Ebeneezer Scrooge und alle, die dem Weihnachtshasser im Geiste nahestehen. Es ist nun einmal eine Weihnachtsanthologie. Außerdem Leute, die noch schlechter als ich mit Romanzen klarkommen. Und wenn man ein Problem mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen hat, hat man mit dem Buch wohl auch nicht viel Spaß.

Wer ins Ylva-sche Winterwunderland hineinschnuppern möchte, der tut mit dem Erwerb der Anthologie sogar etwas Gutes, denn die Einnahmen werden an wohltätige Organisationen gespendet.

Und wem das alles zu kitschig, zu verliebt, zu feiertäglich und zu harmonisch ist, dem empfehle ich wärmstens …

Die Johannes Cabal-Bücher von Jonathan L. Howard.

Johannes CabalSeelenfaenger von Jonathan L HowardKennt ihr Johannes Cabal? Nein? Solltet ihr aber, zumindest, wenn ihr bösen Humor zu schätzen wisst. Hierzulande ist Jonathan L. Howard leider nicht so bekannt wie er sein sollte; ich bin damals nur zufällig im Buchladen über Band 1 gestolpert und habe die Bücher tatsächlich sehr lange nicht mehr im Geschäft gesehen … schade. Sie verdienen einen dauerhaften Platz im Fantasy-Regal.

Worum geht’s? Johannes Cabal hat seine Seele an den Teufel verkauft, um Totenbeschwörer zu werden, dann aber festgestellt, dass es sich ohne Seele doch nicht so gut lebt. Nun terrorisiert er den Teufel, um seine Seele wiederzubeschaffen. Satan ist denkbar begeistert. Um den unterkühlten Menschen mit dem angeschraubten Lächeln wieder loszuwerden, bietet ihm der Teufel einen Handel an: 100 Seelen im Tausch gegen die von Cabal. Um es Johannes leichter zu machen, bekommt er sogar ein Hilfswerkzeug in Form eines ganz besonderen Jahrmarktes dazu.

Im zweiten, etwas steampunkigeren Teil löst Cabal einen Krimi in eincabal3em Zeppelin, im dritten zieht es ihn in die Welt der Träume. Cabal verschlägt es also in allerlei Abenteuer; ihn selbst bringt das alles jedoch nur mäßig aus der Ruhe. Seinen Sarkasmus behält er jedenfalls immer. Auf deutsch sind bislang nur drei Bände erschienen, im Original (habe ich gerade hocherfreut festgestellt!) ist die Reihe mit dem fünften Band seit diesem Herbst scheinbar beendet.

Warum sollte man es lesen? Weil es herrlich schwarzhumorig, morbide und böse, abenteuerlich und anders ist. Weil es, trotz (oder wegen?) des stellenweise wirklich bösartigen Protagonisten sehr viel Spaß macht. Weil Cabal Figuren an die Seite gestellt bekommt, die einfach liebenswert sind, etwa seinen Bruder Horst, der eigentlich nicht mehr leben sollte (wobei ‚leben‘ in diesen Büchern freilich immer relativ ist). Weil die Settings anders sind. Weil Cabal ein besonderer Protagonist ist. Er ist alles andere als liebenswürdig, ich würde ihm nachts nicht im Dunklen begegnen wollen, und trotzdem mag man ihn irgendwie. Besonders Teil 1, Seelenfänger, ist mir sehr gut im Gedächtnis geblieben. Der Schauplatzcabal11 des Jahrmarkts, mit dem Cabal seine Seelen sammeln soll, die skurrilen Figuren, die cleveren und oft witzigen Dialoge, die bizarren Szenarien, Cabals Schlagfertigkeit und seine undurchsichtigen wahren Motive haben dafür gesorgt, dass ich mich nicht von dem Buch lösen konnte.

Wer sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen? Alle diejenigen, denen böser, schwarzer Humor nicht liegt. Und diejenigen, die nicht gern Geschichten mit Totenbeschwörern, Leichen oder sonstigen nicht so richtig toten Dingen lesen (Band 1 heißt im Original nicht umsonst Johannes Cabal the Necromancer).

Eigentlich sollten die Cabal-Bücher  meine Halloween-Empfehlung werden, allerdings kann ich aus eigener Erfahrung versichern, dass man mit den Büchern auch wunderbar den Dezember verbringen kann. Mit persönlich hat Teil 1 2009 die Feiertage gerettet, als ich mich dank ausgerenktem Rücken kaum bewegen konnte. Dank dieses Buches hatte ich dennoch recht vergnügliche Feiertage, auch wenn der Inhalt für Weihnachten möglicherweise ein bisschen böse war.

Kennt ihr die Bücher? Wenn ja, wie findet ihr sie? Und was lest ihr im Moment sonst so? Habt ihr Lieblingsbücher für die Weihnachtszeit?

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3 Gedanken zu “Buchempfehlungen: „Do You Feel What I Feel“ und Johannes Cabal

  1. Vielen Dank für die beiden Bücherempfehlungen. Die Anthologie werde ich mir wohl definitiv holen. Denn ich könnte auch ein wenig weihnachtliche Stimmung oder Gefühl (oder was auch immer) gut gebrauchen. Denn bei mir ist noch nichts da 🙂 Und wenn ich damit noch etwas gutes tue, umso besser.

    Und das zweite Buch liest sich auch interessant an. Daher landet es zumindest auf meiner überfüllten Wunschliste. Böse 🙂

    Danke Dir noch für die Verlinkung ❤

    • Na das freut mich doch sehr, dass die Empfehlungen was für dich sind 🙂
      Und dass ich die Anthologie hier empfehle, ist z.T. eine Folge deines Texts. Er hat mich definitiv darin bestärkt, hier noch mal auf das Buch aufmerksam zu machen, weil es eben so wenig in der Art gibt (oder man zu selten darauf stößt).

      • Ui, das freut mich, dass mein Text solch einen Eindruck bei Dir hinterlassen hat.

        Wobei ich bezüglich der Queer Literatur noch die eine oder andere Idee habe. Mal sehen, ob ich die dann auch so umsetze. Aber es stimmt, zumindest im deutschsprachigen Bereich ist da noch eine Menge nachzuholen.

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