Rückkehr ins Schreiberland und andere Neuigkeiten

Im letzten Dreivierteljahr habe ich unter akutem Schreibentzug gelitten. Schreibblockaden, bei denen man einfach kein Wort auf die leere Seite bekommt, kennt wohl jeder Autor. Die hatte ich aber nicht. Bei mir war es schlichtweg eine sehr lange Lebensblockade – die böse Stiefschwester der Schreibblockade, wo man einfach nicht dazu kommt, sich um seine Geschichten und Figuren zu kümmern (und ja, es tut weh).

Mein Leben hat sich dieses Jahr komplett umgekrempelt. Ich habe meine Abschlussarbeit geschrieben, das Studium abgeschlossen, bin auf Jobsuche gegangen, habe eine Wohnung gesucht, bin umgezogen. Das allein hat schon sehr viel Zeit und Nerven in Anspruch genommen, und Raum in meinem Kopf ebenfalls. Zudem ging es mir selbst über einen längeren Zeitraum nicht besonders gut, sodass die Prioritäten zwangsweise etwas anders lagen als mir lieb war. Manchmal grätscht das Leben eben dazwischen. Ich musste schweren Herzens Ausschreibungen sausen lassen, bei denen ich wirklich gerne mitgemacht hätte, und insgesamt habe ich so wenig geschrieben wie seit Jahren nicht mehr. Leider. Also, zumindest bis Mitte Juli war das so.

Aber immerhin gab es im Dezember den Adventskalender – das waren schließlich 24 Mini-Geschichten. Und im Februar habe ich ein Exposé für ein Romanprojekt verfasst, das zu meiner grenzenlosen Freude sehr positiv aufgenommen wurde (mehr dazu darf ich hoffentlich in Kürze verraten). Und, mh, ja, es ist nicht gerade das Schöne Schreiben, aber so eine Masterarbeit will auch erst einmal in gerade Sätze gepackt werden, genauso wie Bewerbungsanschreiben und Probetexte für Brotjobs.

Aber das ist passé.

Rückkehr ins Schreiberland – mit einer Armee von Wörtern

Jetzt ist auch endlich der Umzug über die Bühne gegangen und hat dem letzten Ballast einen kräftigen Fußtritt gegeben. Mit dem Wohnungsschlüssel habe ich auch den Schlüssel zu meinen verstaubten Schreibprojekten in die Hand bekommen. Plötzlich gab es wieder Freiraum in meinem Kopf, die Schleusen gingen auf, und jetzt ist – padauz! – ein großer Batzen meines aktuellen Romans geschrieben. Der Rohentwurf, versteht sich. Das Projekt Traumfänger steht momentan bei knapp 40.000 Wörtern – es hat also innerhalb von wenigen Wochen einen gewaltigen Sprung gemacht, nachdem es ewig bei 7.000 herumdümpelte.

Natürlich ist das nur der Rohentwurf – da ich eine notorische Zu-Viel- und Langschreiberin bin, stehen später jede Menge Kürzungen und Straffungen an. Aber dazu muss ja erst einmal Material da sein. Also habe ich die Wortlimits erst einmal in den Hinterkopf verdrängt – der Gedanke, dass ich jetzt schon alles recht kurz und kanpp haben muss, hat mich nämlich ebenfalls zeitweise ziemlich blockiert. Jetzt wird erst einmal geschrieben. Wenn alles auf dem Papier ist, kann man immer noch aussortieren, straffen, umverteilen, streichen. Sprich, ich nehme mir zu Herzen, was Autorenkollegin Fay Winterberg diese Woche prokalmiert hat: „Schreibe ohne Angst, editiere ohne Gnade“.

Was aber viel wichtiger ist: Das Schreiben macht endlich wieder Spaß. Abends schreibe ich vor dem Schlafengehen, und wenn ich aufstehe, möchte gleich weitermachen. So, wie es sein soll. So, wie es seit langer, langer Zeit nicht mehr war – zwischen all den To-Do-Listen und Deadlines hat der Spaß am Schreiben nämlich irgendwann schlichtweg die Flucht ergriffen und hat die Inspiration gleich mitgenommen. Aber jetzt wehen mir endlich wieder Dialogfetzen durch den Kopf, die sofort niedergeschrieben werden wollen, Figuren entwickeln ein Eigenleben (und überraschen mich immer wieder), Welten explodieren (im wörtlichen und im übertragenen Sinne) und ich habe Freude daran, mit meinen Charakteren die kleinen, zauberhaften Details dieser Welten auszukundschaften.

Das Schreiben fühlt sich wieder lebendig an. Es fühlt sich an wie Atmen, wie Nach-Hause-Kommen.
Und seitdem geht es mir auch deutlich besser.

Ich nutze jetzt also die Zeit, die mir bleibt, um den Roman so weit wie möglich voranzutreiben, bevor es im September mit dem Brotjob losgeht. Dass wir in der neuen Wohnung immer noch kein Internet haben und ich kleine Updates wie dieses hier nur beim Heimurlaub einstellen kann, minimiert glücklicherweise die Möglichkeiten zur Prokrastination, wenn es doch mal hakt und Kätzchenvideos irgendwie attraktiver erscheinen als Problemlösungen im fiktiven magischen New York der 1940er 🙂

Auch ansonsten tut sich etwas an der Autorenfront.

Neuigkeiten, Neuigkeiten! Von Helden mit Haarfetisch, Heimchen und Preisen!

Zum einen läuft noch immer die Leserunde zur Anthologie „Helden-WG: Drei Zimmer, Küche, Axt“ aus dem Verlag Ohneohren, zu der ich meine drei Helden aus der „Drachentöter-Pension“ beisteuern durfte (zwischenzeitlich trug das Ding den Arbeitstitel „Helden mit Haarfetisch“ – wer die Geschichte gelesen hat, weiß vermutlich, warum :D). Ich freue mich wie wild, dass die drei Herren (und vor allem ihr unfreiwilliger „Gast“) so gut bei den Lesern ankommen und danke den Teilnehmern der Leserunde herzlich für die lieben Worte!

Dann findet am 2. & 3. September die Phantastika in Oberhausen statt. Ich werde dort wohl am Samstag durch die Gegend huschen und stöbern, was die deutsche Phantastik-Szene so auffährt. Möglicherweise werde ich auch ein bisschen was vorlesen, denn auch der Verlag Ohneohren ist vor Ort – Ehrensache, schließlich sind wir mit der „Heimchen am Schwert“-Anthologie für den Deutschen Phantastik-Preis nominiert, der abends verliehen wird. Sobald es Neuigkeiten zum Ob, Wie, Wann und Wo der Lesungen gibt, erfahrt ihr es hier.

Bald erscheinen die „Heimchen“  übrigens auch als Print-Ausgabe. Heldinnen zum Anfassen, sozusagen 🙂 Wenn ihr ebenfalls auf der Phantastika seid, könnt ihr euer Exemplar also gleich bei der stolzen Verlegerin Ingrid abholen. Wenn nicht: Das Buch gibt es natürlich auch überall, wo’s Bücher gibt.

Das war’s erstmal mit den Updates. Vielleicht dokumentiere ich demnächst mal den Schreibprozess, die Probleme und Lösungen, die sich so ergeben – wo’s jetzt endlich wieder fluppt mit dem Schreiben 🙂

Ich wünsche ein schönes Wochenende, allerseits!

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2 Gedanken zu “Rückkehr ins Schreiberland und andere Neuigkeiten

  1. Lebensblockade…. ja…. das tut wirklich weh. Und deswegen wünsche ich Dir, dass Du jetzt wieder mit Herzblut, einem Tässchen Tee und allen Dingen, die Du sonst noch so dafür brauchst, durchstarten kannst!
    Alles Liebe, Isa!
    Susanne

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