Pseudonyme

Früher oder später (spätestens, wenn die erste Veröffentlichung ansteht) schlägt sich wahrscheinlich jeder Autor mit der Frage herum: Klarname oder Pseudonym?
Es gibt viele Gründe, sich für oder gegen ein Pseudonym zu entscheiden. Ich schreibe (ganz uneigennützig) erst zum jetzigen Zeitpunkt über das Thema, weil auch ich mir eins zugelegt habe. Aber dazu später. Erst einmal widmen wir uns den grundsätzlichen Fragen.

Was spricht für ein Pseudonym?

Da fallen mir auf Anhieb sehr viele Gründe ein: Anonymität, Schutz der eigenen Person und Familienangehörigen (wie Autorenkollegin Margret Kindermann vor kurzem twitterte: Man muss nicht berühmt sein, um gruselige Personen anzulocken, von denen man nicht will, dass sie deine wahre Identität kennen). Vielleicht ist der eigene Name auch nicht so klangvoll, schwer zu merken oder zu buchstabieren. Oder das Gegenteil ist der Fall: So geläufig, dass man sich damit nicht abhebt.

Des Weiteren kann auch die künstlerische Ausrichtung ein Grund sein. Zwar gibt es auch Autoren, die alles unter demselben Namen veröffentlichen, aber wenn man eigentlich für blutigen Slasher-Horror bekannt ist, macht es durchaus Sinn, sich für das geplanten Kinderbuch ein Pseudonym zuzulegen.

Und dann gibt es da auch noch berufliche Umstände. Die wenigsten Autoren können vom Schreiben leben. Hat man aber einen Brotjob mit viel Kundenkontakt oder auch repräsentativer Funktion, dann möchte man vielleicht nur ungern mit den Hardcore-Erotikbüchern gefunden werden, falls ein Kunde einen doch mal googlet. (An dieser Stelle: Wenn ihr Hardcore-Erotik unter Klarnamen veröffentlicht und cool mit Kunden drüber plaudert: Ihr seid coole Socken, ich will euch einen Kaffee ausgeben!).

Letztlich hat jeder Autor seine eigenen Gründe, warum er sich für ein Pseudonym entscheidet, und jeder davon ist legitim.

Worauf man bei der Wahl des Autorennamens achten sollte

Natürlich ist die Wahl des Pseudonyms zu großen Teilen Geschmackssache. Manche Autoren wählen Namen, die ganz offensichtlich Pseudonyme sind, anderen ist daran gelegen, dass es möglichst natürlich klingt. Das bleibt jedem selbst überlassen. Worauf man jedoch achten sollte:

  • Das Pseudonym sollte nicht schon von jemand anderem verwendet werden
  • Es sollte keine Persönlichkeitsrechte anderer verletzen
  • Es sollte auch nicht mit dem Namen von anderen berühmten Personen überlappen.
  • Ihr müsst euch damit wohlfühlen – im Zweifelsfall 1-2000 Nächte drüber schlafen 😉

Und wenn ihr nicht gerade zu den Glücklichen gehört, denen der perfekte Name einfach zugeflogen kommt: Stellt euch darauf ein, dass es Zeit, Nerven und Frust kosten wird, bis ihr euer Pseudonym gefunden habt. Denn selbst, wenn ihr endlich einen Namen findet, der euch gefällt, benutzt ihn vielleicht schon ein anderer Autor – womöglich in einer Sparte, mit der ihr euch so gar nicht identifizieren könnt (ist mir bei der Pseudonymssuche passiert. Mehrfach).

In Zweifelsfall ist Google euer Freund. Oder auch die Suchleiste bei Amazon. Es gibt auch Schriftstellerforen, in denen man Kollegen und Leidensgenossen um Rat fragen kann. Nehmt euch auf jeden Fall Zeit. Schaut, dass der Name (zu euch) passt, nicht kneift, zwickt oder juckt.

Und hier so?

Ich habe, wie unschwer zu erkennen, bislang weitgehend unter Klarnamen veröffentlicht. Bei meiner ersten Veröffentlichung versuchte ich es noch mit Pseudonym, weil ich mich nicht mit der Vorstellung anfreunden konnte, meinen richtigen Namen zu benutzen. Aber das Pseudonym war ein so offensichtlicher Fakename, dass ich mich damit auch nicht wohlgefühlt habe. Seitdem veröffentliche ich unter Klarnamen, fühle mich auch wohl damit und würde es weiterhin tun, wenn …

… ja wenn da nicht der Brotjob wäre. Ich arbeite im Online-Marketing, richtig gerne sogar, und gehöre zu den Autoren, die nicht vorhaben, mit ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch das Schreiben zu bestreiten. Zumindest nicht zu 100%. Ich liebe meinen Brotjob. Er fordert mich, erlaubt eine gute Work-Life-Balance – und hält mir den Kopf frei, um überhaupt ohne finanziellen Druck im Nacken schreiben zu können. Druck killt ja bekanntlich Kreativität.

Mit der Erkenntnis, dass ich auch in Zukunft gerne beides machen will – Schreiben und Online Marketing – ist für mich die namentliche Trennung von Autorschaft und Brotjob in den Vordergrund gerückt. Kundenkontakt gehört zu meinem Alltag. Zwar gehe ich nicht davon aus, dass mich meine Kunden erstmal googlen, und falls doch, unterhalte ich mich gern mit ihnen über Fantasy-Literatur. Aber ich merke trotzdem, dass ich mich weniger frei auf meinen Autorenplattformen bewege. Es sind für mich einfach zwei Welten, die ich nicht vermischen möchte.

Die Entscheidung für ein Pseudonym ist also ganz bewusst als Trennung der beiden Welten entstanden. Und da einige der Anthologien, in denen ich mit Klarnamen vertreten bin, mittlerweile leider aus den Programmen der jeweiligen Verlage genommen wurden und bald die nächsten Veröffentlichungen ins Haus stehen, ist jetzt wohl ein guter Zeitpunkt, um die Sache mit dem Pseudonym anzufangen.

Wenn ihr also bald irgendwo den Namen Iva Moor lest – das bin ich.
Meine Social Media-Kanäle sind schon umgestellt. Ich reagiere aber trotzdem noch auf Isa oder Eydu 😉

Und ihr so? Schreibt ihr unter Klarnamen oder Pseudonym? Und wenn ja, wieso? Wie seid ihr auf euer Pseudonym gekommen? Ich freue mich auf eure Geschichten und Kommentare!

2 Gedanken zu “Pseudonyme

  1. Eydu, ich mag Iva Moor super gern, hört sich mysteriös an und hat noch was von deinem wahren Namen 🙂 Ich glaub, das ist eine wichtige und weitreichende Entscheidung, ich weiß nicht, ob ich mich damit nicht sehr sehr schwer tun würde… Gratuliere jedenfalls :)))

    • Danke 🙂 Haha, ich hab mich damit auch superschwer getan, on und off hab ich schon ein paar Jahre an einem Pseudonym überlegt, mich aber mit keinem langfristig wohl gefühlt. Hat echt gedauert 🙂

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