Lebenszeichen, Updates, Nominierungen

Guten Tag allerseits.

Ich durfte gerade erfreut feststellen, dass der Blog unter seiner Staubschicht noch nicht verschimmelt ist 😀 Aber in den letzten Monaten, in denen ich u.a. mit meiner Abschlussarbeit beschäftigt war, blieb leider weder die Zeit für das schöne Schreiben noch zur Social Media-Pflege. Prioritäten und so.

Trotzdem geht jetzt endlich wieder ein bisschen was im Schreiberland – zum Glück. Ich habe es wirklich vermisst, und auch, wenn ich Word gerade wirklich nicht mehr sehen kann, warten ein paar Geschichten darauf, Aufmerksamkeit zu bekommen und in Buchstabenkleider gehüllt zu werden. Unter anderem arbeite ich gerade an meiner Absinth-Geschichte. Ich sehe zwar schwarz, dass ich sie einreichen werde, denn die Deadline ist HEUTE, aber ich schreibe die Geschichte in erster Linie für mich – es ist das erste, was ich nach monatelangem wissenschaftlichen Schreiben zu Papier bringe, und selbst, wenn sie nie in einer Anthologie landet, mag ich sie. Dann stehen zwei ägyptische Götter in den Startlöchern (ich bin ja so froh, dass die Abgabefrist verlängert wurde!) und es gibt noch ein, zwei andere Ausschreibungen, auf die ich mein Auge geworfen habe.

Außerdem kamen vor kurzem meine drei Drachentöter aus dem Lektorat – die Wohnung muss noch einmal geputzt werden, bevor die ohneohrige Helden-WG nächsten Monat zur Einweihungsparty lädt. Die drei Pappenheimer freuen sich schon sehr, ihre Nachbarn kennen zu lernen.

16830955_558601411011102_442703350005763027_n
Die Ohneohrige Verkündung der WGs

Zudem ist im Februar etwas Großartiges passiert, das ich hoffentlich bald verkünden kann, ich platze immer noch fast vor Freude und Aufregung 😀 Und obwohl ich nach meiner Masterarbeit erst einmal die Nase voll von Cowboys, Outlaws und Marshals habe, schwirrt mir immer noch eine Idee für einen revisionistischen Fantasy Western im Kopf herum. Vielleicht in ein paar Monaten – wenn ich wieder Revolver, Prärien und Cowboy-Hüte sehen kann, ohne reflexartig die Augen zu verdrehen 🙂

Nun, und da der Frühling da ist, ist wohl auch Preis- und Nominierungszeit. Deshalb betreibe ich jetzt hier schamlos Werbung.

Beim Deutschen Phantastik Preis geht es ja dieses Jahr etwas anders zu als sonst. Es gibt

ungeziefer1
Angelika Barths Illustration zu meiner Geschichte „Das vergiftete Herz“.

bereits eine Longlist, ihr könnt aber auch immer noch eigene Nominierungen für die Vorrunde einreichen. Ich für meinen Teil freue mich sehr, dass die Anthologie Heimchen am Schwert aus dem Hause Ohneohren, in der meine Geschichte „Nur eine Kräuterfrau“ wohnt, in der Kategorie für Kurzgeschichtensammlungen nominiert wurde.

Und falls jemand noch nicht weiß, wen er bei den Grafikern wählen soll: Grit Richter macht ganz wundervolle Cover für Bücher, und Angelika Barth hat die traumhaften Illustrationen in der Ungeziefer-Anthologie des Verlag Torsten Low gezaubert (die man im Übrigen auch nominieren könnte *hust*).

Die erste Phase des DPP läuft noch bis zum 17. April. Zur Abstimmung geht es hier entlang.

Überhaupt hat der Verlag Torsten Low einen super Lauf im Moment, beim Vincent-Preis wurde er nämlich gleich in mehreren Kategorien nominiert. Und während man das Ungeziefer beim DPP ignoriert hat, kann man diese wunderschöne Sammlung, die unter der Schirmherrschaft von Carolin Gmyrek entstanden ist, direkt wählen.

Die Endrunde für den Vincent-Preis läuft noch bis zum 23. April. Hier könnt ihr eure Stimmen abgeben.

So, und jetzt geht’s zurück zu den Grünen Feen und den Absinthlöffeln. Einen wunderschönen Tag!

23. Türchen

13-23

Spekulucius genoss jeden Atemzug. Endlich wieder Gegenwartsluft! Die 1940er hatten wirklich gestunken! Zeitreisen waren eindeutig überbewertet! Dankbar winkte er dem Auto hinterher, das ihn hier abgesetzt hatte. Der alte Kerl mit dem wilden weißen Haar winkte durch die Rückscheibe, ehe er beschleunigte (es quietschte so fürchterlich, dass es Spekulucius in den Ohren klingelte) und das Auto auf Nimmerwiedersehen verschwand (zumindest hoffte Spekulucius inständig, dass er das Ding nie wieder sehen musste – fürs erste hatte er die Spitznase voll vom Zeitrasen, ihm wurde unheimlich schlecht davon).

Aufgeregt schaute er sich um. Die bescheuerten Dämonen konnten etwas erleben, wenn er sie in die Finger bekam – niemand schickte einen Emon einfach in eine andere Zeit! Doch zunächst lagen seine Prioritäten woanders. Er wollte seine Schwestern und Brüder finden. Pragmatisch wie er war, hatte er sich gleich zu der Turnhalle kutschieren lassen, wo er seine Geschwistern zuletzt gesehen hatte, und tatsächlich roch es hier noch unverkennbar nach Emonenrazzia. Er würde dem Geruch folgen, bis er das Quartier von diesen Magiern fand, die seine Geschwister entführt hatten. Dann würde er die Hexenbrut zum Lachen bringen, sie in falscher Sicherheit wiegen. Und dann würde er ihre Freude essen und zusehen, wie ihre Gesichtsfarbe mit jedem Herzschlag ein wenig grauer und ihre Mundwinkel ein wenig schlaffer wurden. Ah, Rachefestmähler waren fantastisch! Und dann würde er die Dämonen suchen! Jawohl! Guter Plan!

Allerdings hatte der Plan einen Haken. Weiterlesen »

22. Türchen

13-22

„Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ Die alte Hexe setzte ächzend ihre Last im Schnee ab. Nichts geschah. „Ich hab Plätzchen“, fügte sie hinzu. Für gewöhnlich stellte sich Rapunzel taub für jeden, der nicht ihre Ziehmutter war, und tatsächlich öffneten sich die Turmfenster nur zögerlich.

„Wir kaufen nichts!“, tönte eine gelangweilte Stimme, ehe ein ebenso gelangweiltes Gesicht im Fensterrahmen erschien. Das Mädchen wurde mit jedem Jahr hübscher, das musste die Hexe zugeben. Allerdings hatte die Pubertät Rapunzel in den Klauen, und das genervte Schmollen, das sie in Gegenwart von Erwachsenen auf ihr Gesicht schraubte, stand ihr genauso wenig wie allen anderen Teenagern. „Ach, du bist’s, Greta. Moment.“

Mit einem dumpfen Plumpsen landete ein Zentner dicken blonden Haares neben der Hexe auf der verschneiten Erde.
„Danke, Liebes. Warte einen Augenblick, ich muss nur-“
„Oah, nee!“ Prompt schnellten die Haare wieder nach oben.
„Junge Dame!“ Entnervt hob Greta den Kopf. „Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit! Deine Mutter kommt bald, wir müssen noch den Baum schmücken und-“
„Du schnallst keinen Weihnachtsbaum an meine Haare!“ Empört funkelte Rapunzel von ihrem Turm. „Seh ich aus wie ein Lastenzug?“
Greta verbiss sich den naheliegenden Kommentar, dass Rapunzel wortwörtlich für jeden Besucher den Fahrstuhl spielte – die Sache mit dem Turm war wirklich nicht Gothels beste Idee gewesen. Weiterlesen »