24. Türchen

13-24

Spekulucius taumelte aus der Waschmaschine. Er spuckte Weichspüler und rülpste Therox. Dass ihn zwei misstrauische Hexen mit erhobenen Holztalismanen beobachten, machte alles bloß schlimmer.Weiterlesen »

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22. Türchen

13-22

„Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ Die alte Hexe setzte ächzend ihre Last im Schnee ab. Nichts geschah. „Ich hab Plätzchen“, fügte sie hinzu. Für gewöhnlich stellte sich Rapunzel taub für jeden, der nicht ihre Ziehmutter war, und tatsächlich öffneten sich die Turmfenster nur zögerlich.

„Wir kaufen nichts!“, tönte eine gelangweilte Stimme, ehe ein ebenso gelangweiltes Gesicht im Fensterrahmen erschien. Das Mädchen wurde mit jedem Jahr hübscher, das musste die Hexe zugeben. Allerdings hatte die Pubertät Rapunzel in den Klauen, und das genervte Schmollen, das sie in Gegenwart von Erwachsenen auf ihr Gesicht schraubte, stand ihr genauso wenig wie allen anderen Teenagern. „Ach, du bist’s, Greta. Moment.“

Mit einem dumpfen Plumpsen landete ein Zentner dicken blonden Haares neben der Hexe auf der verschneiten Erde.
„Danke, Liebes. Warte einen Augenblick, ich muss nur-“
„Oah, nee!“ Prompt schnellten die Haare wieder nach oben.
„Junge Dame!“ Entnervt hob Greta den Kopf. „Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit! Deine Mutter kommt bald, wir müssen noch den Baum schmücken und-“
„Du schnallst keinen Weihnachtsbaum an meine Haare!“ Empört funkelte Rapunzel von ihrem Turm. „Seh ich aus wie ein Lastenzug?“
Greta verbiss sich den naheliegenden Kommentar, dass Rapunzel wortwörtlich für jeden Besucher den Fahrstuhl spielte – die Sache mit dem Turm war wirklich nicht Gothels beste Idee gewesen. Weiterlesen »

21. Türchen

13-21

Einundzwanzigstes Jahrhundert, ganz am Anfang, Essen-Werden.

Der Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, seufzte erleichtert, als endlich ein Taxi anhielt. Er ließ der Frau, die sich dieser Tage (immer noch) Tanya nannte, den Vortritt, schlüpfte fröstelnd hinter ihr auf die Rückbank und rückte näher an sie heran, damit der Mann, der sich dieser Tage Nick nannte, auch noch Platz hatte.

„Ich hasse, hasse, hasse vampirische Weihnachtsfeiern!“ Unwirsch rieb er die eisigen Hände aneinander. „Können die ihren Scheiß nicht endlich alleine regeln?“
„Fragen wir uns das nicht seit viertausend Jahren?“, entgegnete der Mann, der sich dieser Tage Nick nannte, lakonisch. Frost schimmerte in seinem langen, dunklen Haar.
Die beiden Männer drehten den Kopf, doch ausnahmsweise ermahnte die rabenhaarige Frau, die sich dieser Tage Tanya nannte, sie nicht zum positiven Denken. Der Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, spürte nahezu körperlich, dass sie immer noch auf hundertachtzig war.
„Wisst ihr“, fauchte sie, während sie sich das Blut unter den Fingernägeln entfernte, „ich dachte, schlimmer als damals in New York könnte es gar nicht werden-“
„Aah, wir wussten doch, was da kommt“, fiel ihr der Mann namens Nick ins Wort. „Jonathan hat Horrorgeschichten von letztem Jahr erzählt, und Val vom Jahr davor …“
„… und die sechzig Jahre dazwischen hat sich auch nicht viel geändert, ja, ja, ich weiß!“ Die Frau namens Tanya verschränkte die Arme und holte tief Luft. „Trotzdem! In den Achtzigern war es nicht so ätzend!“

„Schwere Nacht gehabt?“ Die Taxifahrerin justierte den Rückspiegel, um ihre Passagiere besser sehen zu können. Hexe.Weiterlesen »

20. Türchen

13-20

„Sind wir eigentlich gegen Emonen-Schäden versichert?“, fragte Artemis Ravenna, die irgendwo auf der anderen Seite des Raums lag. Hinter dem Trümmerhaufen der Holzkisten, in denen die Emonen eingesperrt gewesen waren.

„Keine Ahnung. Aber Emonen-Umkonditionieren ist ja auch eigentlich nicht unser Job.“ Erschöpft sank Maras van Nill auf den Waschtisch – oder das, was von ihm übrig war.

„Ich liebe dich dafür, dass du diesen Satz nach der ganzen Scheiße immer noch so biestig über die Lippen bringst.“ Artemis‘ verschwitztes Gesicht tauchte hinter den Holztrümmern auf. Das schwarze Haar stand ihr in alle Richtungen vom Kopf ab, ihre Unterlippe blutete, ein Kratzer zog sich von ihrer rechten Schläfe bis zu ihrem linke Mundwinkel (kurz: Im Vergleich zu Maras sah sie immer noch blendend aus), doch sie lächelte. „Das war eine gute Idee.“

„Das sagst du jetzt.“ Maras betastete ihr geschwollenes Augenlid. „Warte mal ab, bis wir die Wesenschutz-Organisation am Hals haben. ‚Das ist Wesen-Quälerei‘… Und warte auch erst mal ab, ob alle Beteiligten unser kleines Experiment überleben.“Weiterlesen »