24. Türchen

13-24

Spekulucius taumelte aus der Waschmaschine. Er spuckte Weichspüler und rülpste Therox. Dass ihn zwei misstrauische Hexen mit erhobenen Holztalismanen beobachten, machte alles bloß schlimmer.Weiterlesen »

Advertisements

23. Türchen

13-23

Spekulucius genoss jeden Atemzug. Endlich wieder Gegenwartsluft! Die 1940er hatten wirklich gestunken! Zeitreisen waren eindeutig überbewertet! Dankbar winkte er dem Auto hinterher, das ihn hier abgesetzt hatte. Der alte Kerl mit dem wilden weißen Haar winkte durch die Rückscheibe, ehe er beschleunigte (es quietschte so fürchterlich, dass es Spekulucius in den Ohren klingelte) und das Auto auf Nimmerwiedersehen verschwand (zumindest hoffte Spekulucius inständig, dass er das Ding nie wieder sehen musste – fürs erste hatte er die Spitznase voll vom Zeitrasen, ihm wurde unheimlich schlecht davon).

Aufgeregt schaute er sich um. Die bescheuerten Dämonen konnten etwas erleben, wenn er sie in die Finger bekam – niemand schickte einen Emon einfach in eine andere Zeit! Doch zunächst lagen seine Prioritäten woanders. Er wollte seine Schwestern und Brüder finden. Pragmatisch wie er war, hatte er sich gleich zu der Turnhalle kutschieren lassen, wo er seine Geschwistern zuletzt gesehen hatte, und tatsächlich roch es hier noch unverkennbar nach Emonenrazzia. Er würde dem Geruch folgen, bis er das Quartier von diesen Magiern fand, die seine Geschwister entführt hatten. Dann würde er die Hexenbrut zum Lachen bringen, sie in falscher Sicherheit wiegen. Und dann würde er ihre Freude essen und zusehen, wie ihre Gesichtsfarbe mit jedem Herzschlag ein wenig grauer und ihre Mundwinkel ein wenig schlaffer wurden. Ah, Rachefestmähler waren fantastisch! Und dann würde er die Dämonen suchen! Jawohl! Guter Plan!

Allerdings hatte der Plan einen Haken. Weiterlesen »

22. Türchen

13-22

„Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ Die alte Hexe setzte ächzend ihre Last im Schnee ab. Nichts geschah. „Ich hab Plätzchen“, fügte sie hinzu. Für gewöhnlich stellte sich Rapunzel taub für jeden, der nicht ihre Ziehmutter war, und tatsächlich öffneten sich die Turmfenster nur zögerlich.

„Wir kaufen nichts!“, tönte eine gelangweilte Stimme, ehe ein ebenso gelangweiltes Gesicht im Fensterrahmen erschien. Das Mädchen wurde mit jedem Jahr hübscher, das musste die Hexe zugeben. Allerdings hatte die Pubertät Rapunzel in den Klauen, und das genervte Schmollen, das sie in Gegenwart von Erwachsenen auf ihr Gesicht schraubte, stand ihr genauso wenig wie allen anderen Teenagern. „Ach, du bist’s, Greta. Moment.“

Mit einem dumpfen Plumpsen landete ein Zentner dicken blonden Haares neben der Hexe auf der verschneiten Erde.
„Danke, Liebes. Warte einen Augenblick, ich muss nur-“
„Oah, nee!“ Prompt schnellten die Haare wieder nach oben.
„Junge Dame!“ Entnervt hob Greta den Kopf. „Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit! Deine Mutter kommt bald, wir müssen noch den Baum schmücken und-“
„Du schnallst keinen Weihnachtsbaum an meine Haare!“ Empört funkelte Rapunzel von ihrem Turm. „Seh ich aus wie ein Lastenzug?“
Greta verbiss sich den naheliegenden Kommentar, dass Rapunzel wortwörtlich für jeden Besucher den Fahrstuhl spielte – die Sache mit dem Turm war wirklich nicht Gothels beste Idee gewesen. Weiterlesen »

21. Türchen

13-21

Einundzwanzigstes Jahrhundert, ganz am Anfang, Essen-Werden.

Der Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, seufzte erleichtert, als endlich ein Taxi anhielt. Er ließ der Frau, die sich dieser Tage (immer noch) Tanya nannte, den Vortritt, schlüpfte fröstelnd hinter ihr auf die Rückbank und rückte näher an sie heran, damit der Mann, der sich dieser Tage Nick nannte, auch noch Platz hatte.

„Ich hasse, hasse, hasse vampirische Weihnachtsfeiern!“ Unwirsch rieb er die eisigen Hände aneinander. „Können die ihren Scheiß nicht endlich alleine regeln?“
„Fragen wir uns das nicht seit viertausend Jahren?“, entgegnete der Mann, der sich dieser Tage Nick nannte, lakonisch. Frost schimmerte in seinem langen, dunklen Haar.
Die beiden Männer drehten den Kopf, doch ausnahmsweise ermahnte die rabenhaarige Frau, die sich dieser Tage Tanya nannte, sie nicht zum positiven Denken. Der Mann, der sich dieser Tage Alex nannte, spürte nahezu körperlich, dass sie immer noch auf hundertachtzig war.
„Wisst ihr“, fauchte sie, während sie sich das Blut unter den Fingernägeln entfernte, „ich dachte, schlimmer als damals in New York könnte es gar nicht werden-“
„Aah, wir wussten doch, was da kommt“, fiel ihr der Mann namens Nick ins Wort. „Jonathan hat Horrorgeschichten von letztem Jahr erzählt, und Val vom Jahr davor …“
„… und die sechzig Jahre dazwischen hat sich auch nicht viel geändert, ja, ja, ich weiß!“ Die Frau namens Tanya verschränkte die Arme und holte tief Luft. „Trotzdem! In den Achtzigern war es nicht so ätzend!“

„Schwere Nacht gehabt?“ Die Taxifahrerin justierte den Rückspiegel, um ihre Passagiere besser sehen zu können. Hexe.Weiterlesen »