Kill Your Darlings – die Szenen-Edition

„In writing, you must kill all your darlings.“
– William Faulkner

„Kill your Darlings“ – Töte deine Lieblinge. Dieses Zitat von Mr. Faulkner war einer der ersten Schreibtipps, die ich vor langer, langer Zeit bewusst wahrgenommen habe. Neben den Klassikern wie „Weg mit den Adverbien“ und „Tod dem Passiv“, versteht sich. Meine erste Reaktion damals? „Aber … aber … ich hab sie doch alle lieb…“

Was sind „Darlings“?

Damals dachte ich, William Faulkner würde das systematische Abmurksen von Lieblingsfiguren propagieren. Stimmt natürlich nicht – es geht um Phrasen, Sätze, Formulierungen, Szenen (und ja, ganz manchmal auch um Figuren), die man liebt. Man ist stolz darauf, man hat sie liebevoll in den Gesamttext eingebettet, möchte ihnen immer wieder über das buchstabige Haupt streicheln …

Dummerweise passen diese Darlings oft gar nicht ins Gesamtkonzept. Oder Leser verstehen sie nicht. Und wenn ein Beta-Leser die verhängnisvollen Worte: „Du, die Stelle funktioniert für mich nicht“ äußert, zieht sich die arme Autorenseele zusammen und möchte zum Himmel schreien – immerhin ist das Baby genial, perfekt, es muss einfach ins Manuskript …

Glaubt man. Weiterlesen »

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NaNoCheatMo

Es ist November! Und jeder, der auch nur ansatzweise dem Schreiben zugeneigt ist und sich darüber via Internet mit Leuten austauscht, weiß, was das heißt: Es ist NaNoWriMo alias: Wir schreiben einen 50.000 Wörter-Roman in einem Monat! Und ehrlich, Leute, ich bewundere jeden, der in der Zeit auch nur ein halbes Buch schreibt.

Beichte meinerseits: Ich habe noch nie ernsthaft versucht, am NaNoWriMo teilzunehmen. Zumindest nicht so, wie er eigentlich vorgesehen ist. Heißt: Ich habe nie versucht, im November einen Roman von A bis Z zu schreiben.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Herzensprojekte, die ich unbedingt schreiben wollte, nie bis November gewartet haben. Als ich also das erste mal etwas vom NaNo mitbekam – das war im Herbst 2011 – habe ich meine Premiere direkt mit einem NaNoCheatMo begonnen und es seitdem immer mal wieder gemacht.Weiterlesen »

23. Türchen

13-23

Spekulucius genoss jeden Atemzug. Endlich wieder Gegenwartsluft! Die 1940er hatten wirklich gestunken! Zeitreisen waren eindeutig überbewertet! Dankbar winkte er dem Auto hinterher, das ihn hier abgesetzt hatte. Der alte Kerl mit dem wilden weißen Haar winkte durch die Rückscheibe, ehe er beschleunigte (es quietschte so fürchterlich, dass es Spekulucius in den Ohren klingelte) und das Auto auf Nimmerwiedersehen verschwand (zumindest hoffte Spekulucius inständig, dass er das Ding nie wieder sehen musste – fürs erste hatte er die Spitznase voll vom Zeitrasen, ihm wurde unheimlich schlecht davon).

Aufgeregt schaute er sich um. Die bescheuerten Dämonen konnten etwas erleben, wenn er sie in die Finger bekam – niemand schickte einen Emon einfach in eine andere Zeit! Doch zunächst lagen seine Prioritäten woanders. Er wollte seine Schwestern und Brüder finden. Pragmatisch wie er war, hatte er sich gleich zu der Turnhalle kutschieren lassen, wo er seine Geschwistern zuletzt gesehen hatte, und tatsächlich roch es hier noch unverkennbar nach Emonenrazzia. Er würde dem Geruch folgen, bis er das Quartier von diesen Magiern fand, die seine Geschwister entführt hatten. Dann würde er die Hexenbrut zum Lachen bringen, sie in falscher Sicherheit wiegen. Und dann würde er ihre Freude essen und zusehen, wie ihre Gesichtsfarbe mit jedem Herzschlag ein wenig grauer und ihre Mundwinkel ein wenig schlaffer wurden. Ah, Rachefestmähler waren fantastisch! Und dann würde er die Dämonen suchen! Jawohl! Guter Plan!

Allerdings hatte der Plan einen Haken. Weiterlesen »